Medien


Ritorno in patria


Hörspiel

Am 9. Juli 2021 erreicht mich folgende Nachricht:

Lieber Herr Wirth,

zum 20. Todestag von W. G. Sebald hat das Schweizer Radio SRF Sebalds Text «Il Ritorno in Patria» als Hörspiel produziert. Zusammen mit Ralf Bücheler durfte ich dabei Bearbeitung und Regie übernehmen. Ralf Bücheler und ich sind seit «Die Ringe des Saturn» grosse Sebald Fans und durften ihn vor etlichen Jahren bei einer Lesung in Kempten live erleben. Immer wieder stossen wir bei Recherchen zu Sebald auf Ihre Website – und sind jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wie umfangreich und akkurat Ihre Sammlung ist. Vielen Dank für die tolle Arbeit!
Bei unserer Bearbeitung haben wir uns die Freiheit genommen, W. G. Sebald als Figur in das Hörspiel einzubauen – in Form von O-Tönen aus dem Radioarchiv. Er ist ein «Wanderer, der gelehnt steht an den Strom der Zeit».

Herzliche Grüsse aus Basel

Johannes Mayr



Jäger

Anders als in der Odysseus-Oper von Claudio Monteverdi, auf die „Il ritorno in patria“ verweist, findet die Hauptfigur in ihrer Heimat nicht die ersehnte Zuflucht nach langer Irrfahrt, sondern sie verlässt sie wieder fluchtartig. Der Erzähler vermag aber der Erinnerung nicht zu entkommen. Die Heimat verfolgt ihn im Traum. Und der lässt in Abgründe blicken. In den Tiroler Stuben in Innsbruck muss er sich nach leichter Kritik einige Frechheiten von der Bedienung anhören. Im genial inszenierten Hörspiel gewinnen die Figuren der Erzählung an Plastizität. Die ganz neue Figur des geheimnisvollen Wanderers, der in den Bus einsteigt und immer wieder dem Erzähler begegnet: etwa in der Kapelle in Krummendorf, auf dem Dachboden der Alpenrose in Wertach oder auf der Rückfahrt nach England - ist niemand anderes als Sebald selbst, der so zu Wort kommt, mit seinen Gedanken über Heimweh, Vergänglichkeit und das Abgründige im Menschen.
Regisseur Bücheler:
„Was er vor über 20 Jahren sagte, erscheint angesichts von Klimawandel, weltweiten Fluchtbewegungen und der Unausweichlichkeit, mit der wir Menschen die eigene Lebensgrundlage zerstören, überaus gegenwärtig.“ Aus der meisterhaften literarischen Vorlage ist ein neues, ebenso meisterhaftes Werk entstanden, zu dem renommierte Künstler beitragen, wie die aus Oberstdorf stammende Crescentia Dünßer oder der Tiroler Händl Klaus.

Wollen wir hoffen, dass wir Menschen uns als lernfähig erweisen und Sebalds pessimistische, aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts gewonnene Überzeugung sich nicht bewahrheitet: „Wenn wir einmal auf einer Schiene sind, dann fahren wir meist bis in den Abgrund hinein.



PS
Liebe Basler,
Ihr findet doch sicher im riesigen Sebald-Sound noch ein paar andere schöne Strophen, aus dem Ihr weitere so faszinierende Hörspiele wie dieses machen könnt, bitte!