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(in Vollbild am schönsten - F11)







1. Egon Schiele



Wally Neuzil
1912

Selbstbildnis mit Lampionfrüchten

Zwei Menschen, einander zugewendet und zugeneigt, dunkel gekleidet vor einer weiß und grau strukturierten Wand neben herbstlichen Blättern mit Fruchtständen. Doch bleibt jeder in seinem Bild, die Köpfe sind oben angeschnitten und die Augen blicken an uns vorbei in weite Ferne. Auch wenn sich ihre Blicke irgendwo kreuzen, wenden sich Arme und Körper voneinander ab. Zuneigung und Abstoßung erzeugen eine psychisch aufgeladene Widersprüchlichkeit. Diese beruht auf der Beziehung der beiden und nicht nur auf dem aufkommenden Expressionismus.
Das kurze Leben der Wally dauert von 1894 bis 1917, die Frau, die von 1911 bis 1915 offenbar Lebensmensch eines Künstlers wird, nachdem sie anfangs nur eines von vielen Modellen aus einer anderen Gesellschaftsschicht ist.
Wally Pfneisl, 1894 in Tattendorf geboren, wenige km südlich Wiens, uneheliche Tochter einer Taglöhnerin und eines böhmischen Unterlehrers, ist seit 1912 Egon Schieles wichtigstes Modell und Lebensgefährtin.

Tod und Mädchen

1915, als Schiele die Einberufung zum Militärdienst erhält, Heirat mit Edith Harms. Er soll Wally den Vorschlag gemacht haben, wenigstens einmal im Jahr gemeinsamen Urlaub zu verbringen - weder für Wally noch Edith akzeptabel. Die folgenden Kriegsjahre in Prag und Neuhaus/Böhmen, später in Kriegsgefangenenlagern in Österreich, Ehefrau Edith muss ihn überallhin begleiten.
Wally lässt sich nach der Trennung zur Hilfskrankenpflegerin ausbilden, meldet sich 1917 nach Dalmatien, arbeitet in Šibenik und Sinj und verstirbt im selben Jahr an Scharlach. Egon Schiele und Frau sterben ein Jahr später an der Spanischen Grippe.
Ist das Rätsel um Wally zu lösen? Mit unserer heutigen Sicht auf sozial schwierige und vor allem frauenfeindliche Zeiten in Wien um 1900?



Wally folgt ihm nach Krumau und Neulengbach, das Experiment, auf dem Land in Ruhe künstlerisch tätig zu sein, geht schief. Dabei ist auch ihre Anwesenheit Teil des bürgerlichen Missverständnisses seiner Umgebung. Sogar seine Familie sieht, bis auf eine Schwester, in Wally eine Prostituierte. Sie werden vertrieben aus dem Gartenhaus in Krumau.
In Neulengbach hält Wally fest zu Schiele, als er wegen Verführung Minderjähriger angeklagt und verurteilt wird. Benesch schreibt ihr noch nach der Trennung und bekommt auf einer Karte "Grüße von der Klapperschlange". Schieles sexuelles Erweckungserlebnis geht sicher auf Wally zurück, gespiegelt auch in der Geschlechterumkehr von "Kardinal und Nonne".



Doch die wilde Ehe und offene Sexualität im Atelier in Hietzing gehen 1915 zu Ende, als er dort Edith Harms trifft und mit Wally als "Anstandsdame" auch näher kennenlernt. Was folgt, ist der Bruch aus gesellschaftlichen Gründen, die zentrale Figur seiner "Seher" wird geopfert am Altar der bürgerlichen Konvention; Schiele heiratet, wird Soldat. "Tod und Mädchen" gilt als Abschiedsbild.






2. August Kopisch



Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang
Öl auf Leinwand, 1848

Vom Führer der Alten Nationalgalerie glüht ein irres Abendrot über öder Landschaft, eher schrill als scheu. Es sind Kopischs Pontinischen Sümpfe, nicht gerade ein Schlüsselwerk der deutschen Romantik, eher eine psychedelische Apokalypse. Eein Bild, das in seiner übermütigen, neonleuchtenden Farbigkeit so gar nicht ins Jahr 1848 passen will. Seit 2011 hängen die Sümpfe wieder öffentlich.
Vor der Kanonisierung steht oft genug das Vergessen. Das war auch bei Caspar David Friedrich so, heute unangefochtener Star der romantischen Malerei. Doch auch über seine ikonischen Bilder ist lange der Mantel des Schweigens gebreitet. Bald nach seinem Tod vergessen, wird seine Meisterschaft erst Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt.
Auf Kopisch muss man sich einlassen - wohl auch ein Grund, warum ein Bild wie die „Pontinischen Sümpfe“ so lange verborgen blieb. Der glutunterlaufene Sonnenuntergang, der unter flammend rotem wie giftgelbem Himmel sein bengalisches Licht auf eine endzeitliche Sumpflandschaft wirft, steht bei vielen Betrachtern unter Kitschverdacht.

Verwegen wie sonst nur die amerikanischen Landschaftsmaler Thomas Cole oder Frederic Edwin Church: „Der Krater des Vesuvs mit dem Ausbruch von 1828“, Kopisch hat ihn bestiegen.



„Ein Schiff auf dem Meere von Delphinen umschwärmt“ möchte mancher lieber durch eine Sonnenbrille betrachten, um sich vor dem verrückten Farbspiel und dem zirzensischen Motiv halbwegs zu schützen.
Selbst „Potsdam und Umgebung im 17. Jahrhundert“ sieht aus, als läge es nicht an der Havel, sondern am Hudson und wäre von einem der amerikanischen Landschaftsmaler verwegen ins Kolorit gesetzt worden.
Als deren Vorläufer kann Kopisch allemal gelten. Mit der amerikanischen Landschaftsmalerei teilt er die revolutionäre Idee, die visuellen Erfahrungen und Erinnerungen eines Naturerlebnisses in einem Bild zu komprimieren. So intensiviert sich der Realismus zum emotionalen Drama. Bis heute hallt der Einfluss dieser Maler auf die Gegenwartskultur nach, man muss sich nur die Werbefotos des Apple-Betriebssystems anschauen, das nach den Wildkatzen nun die Nationalparks feiert.




Kopischs Inbesitznahme der Landschaft ist poetischer Natur. Auch er intensiviert sein Erlebnis durch die Übersteigerung von Eindrücken auf der Leinwand. Stimmungsvoll und reich an Effekten. Seinen Zeitgenossen kommt das mitunter „pathologisch“ vor - der ultimative Diss im harmonieverliebten Klassizismus. „Ganz vortrefflich gemalt“, urteilt der Kritiker Julius Klein, beschreibt Kopischs Bild aber wie einen medizinischen Befund und diagnostiziert Geschwüre, hepatische Wundlappen und purpurtrüben Niederfluss.
Kopisch ist aber nicht nur Maler, sondern Dichter und Reisender, Ethnograf, Dante-Übersetzer und Italomaniac, Festintendant am Preußischen Hof, Erfinder eines Reiseofens wie eines beweglichen Panoramas - ein kreativer Vielseitigkeitsreiter. Er ist weniger auf intellektuellem Ross unterwegs als auf Tuchfühlung mit der Volksseele.



Im pulsierenden Neapel, damals drittgrößte Stadt Europas, fühlt er sich heimisch. Mit Malerfreund Ernst Fries unternimmt er 1826 einen Ausflug, der nachhaltige Folgen haben soll, nicht nur für die Malerei, auch für die Italienliebe der Deutschen. Die beiden Schwärmer setzen auf Capri über, damals noch ein einsames Eiland, das seit Tiberius’ Zeiten kein Aufsehen mehr erregt, mieten sich in einer Locanda ein. Bei einer Inselumrundung mit dem Boot des Fischers Angelo lernt Kopisch dann neu sehen.
Zum Glück hat er gute Augen - und kann gut schwimmen. Denn Angelo will ihm die Teufelshöhle zeigen, in der Kaiser Tiberius seine Gespielinnen eingeschlossen haben soll. Der Eingang ist nur schwimmend zu erreichen. Noch am selben Abend schreibt Kopisch ins Gästebuch seines Wirts einen begeisterten Bericht über seine Entdeckung der himmelblauen Grotte, der Grotta Azzurra, wie sie seitdem heißt.
Die Blaue Grotte: In der kollektiven Vorstellungskraft romantische Mischung aus Erinnerung und Imagination, sie löst einen Ansturm von Touristen aus. Erst kommen die Maler, dann die Postkartenzeichner, dann alle anderen.



Kopisch 1838: „Ein mächtig großes Bassin, weit überwölbt von tropfsteingezierten, schön geschwungenen Felsen, das Wasser ein wallender Himmel, dessen blaues Licht die Decke darüber zauberisch erhellte. Am hochroten Saume, der rings von Seetieren gebildet, alle Ränder der Grotte verziert, spielten die Farben aller Edelsteine.“ In seinem Bild von der Blauen Grotte aus demselben Jahr schwimmt er vorneweg.






3. Gustav Klimt

Adele-Bloch Bauer 1 Öl, Blattgold, Blattsilber auf Leinwand, 1907










4. Hendra Gunawan



Diponegoro, im Krieg verundet

Das kolossale Gemälde zeigt eine Szene aus dem javanesischen Krieg 1825 - 1850, als Diponegoro oder Prinz Dipanegara, ältester Sohn Sultans Hamengkubuwono III. im Krieg gegen die niederländische Kolonialmacht kämpfend, verwundet wird. Obwohl er anfangs durchwegs die Oberhand behält, verliert er ihn letzlich. Die Besatzer verbannen ihn 1830 auf die Insel Sulawesi. Im Krieg kommt die Häfte der einheimischen Bevölkerung um und das Gemälde weckt bei ihren Nachfahren starke patriotische Gefuhle.
Hendra Gunawan, einer der bekanntesten indonesischen Maler, kombiniert westliche Maltechniken mit traditioneller indonesischer Ästhetik. Sein Oeuvre umfasst eine Vielzahl von Themen: Fischer, Fische, Wasserbüffel, Frauen, maskierte Männer und abstrakte Formen.
Er malt die Landschaften seiner Jugend und hält die reichen Farben und üppigen Wildtiere der Region in einem Stil fest, der an deutschen Expressionismus erinnert. Gunawan kämpft gegen die niederländische Kolonialherrschaft als Guerillakämpfer und später als Aktivist gegen die Regierung, die ihn 1965 bis 1978 inhaftiert. Der Künstler übersteht seine Gefangenschaft mit dem Malen von Bildern seiner Familie auf kleinen Fetzen rauer Leinwand.


Selbstbildnis







5. Giuseppe Casciaro



Ansicht von Nusco
Mischtechnik auf Papier, 1902

Giuseppe Casciaro gewinnt zahlreiche Preise und hat eine besondere Kompetenz für Landschaftszeichnungen in Pastell entwickelt, obwohl er auch ein paar Ölgemälde schuf. Wohl einer der besten Pastellmaler, er lässt sich auf dem Vomero (bekanntes Hügelviertel in Neapel nieder) und teilt sich ein Atelier mit dem Maler Attilio Pratella.


Ansicht einer Bucht mit hellblauem Meer





6. Gao Xingjian

paintings - dream animation




Berühmter chinesisch-französischer Maler, Schriftsteller und Kultfigur, für Lyrik und Prosa bekannt, eigenes Atelier in Paris. Gao Xingjians Kunst ist durchweg monochromatisch und feierlich. Zeigt oft verschneite Landschaften mit dunklen Silhouetten, die durch subtile Schichten gerendert sind. Xingjians Werk bezieht sich auf die Literatenmalerei, die die chinesische Gelehrtenklasse seit dem 5. Jahrhundert praktiziert, mit philosophisch-kultureller Absurditäts-Theorie die menschliche Existenz ironisch untersuchend:
"Das menschliche Bedürfnis nach Sprache dient nicht nur der Übertragung von Bedeutung, es ist gleichzeitig das Hören und Bestätigen der Existenz eines Menschen."





7. Sven Jonson

Der Sonnenuntergang
1963

Jonsons Surrealismus zeichnet sich durch trostlose Landschaften in leuchtenden Tönen aus. Architektonische Elemente, Bögen, Säulen, etc. mit langen Schatten sind typisch. Im letzten Teil Jonsons Werk dominiert blaues Farbschema seine Bilder, oft mit Motiven, die sein Interesse an Raum, Konstellationen und Planeten widerspiegeln.

Der Hut in Blau



8. Francis de Erdely



Woman & Tree/Harlequin

Der Künstler, gründlich in der Technik der traditionellen Mal-Zeichnungskunst, Komposition und Farbharmonie geschult.
"Die Geburt einer Idee ist nur der Beginn einer langen Zeit intensiver Suche nach all ihren Aspekten. Wenn sie den Test der Zeit und verschiedene Analysen unter dem Gesichtspunkt von Raum und Konstruktion überlebt, bin ich bereit.
Mein erster Schritt ist eine Zeichnung in Schwarzweiß, die am besten als 'Notizen zur Vision' beschrieben werden kann und die nur vom professionellen Maler entziffert werden kann. Wenn es sich um Figuren handelt, bereite ich drei oder vier Kompositionsskizzen vor. Wann immer möglich, bevorzuge ich es, keine professionellen Modelle zu verwenden, da ich feststellte, dass sie nach einer Reihe von Studio-, Werbe- oder Illustrationsposen oft die Einfachheit gewöhnlicher menschlicher Bewegungen verlieren. Es ist schwierig, mit einem unerfahrenen Modell zu arbeiten, die mit Schüchternheit und Unfähigkeit, die Situation zu verstehen, dazu neigen, den Maler zu hemmen.
Mein erster Schritt bei der Konstruktion des Gemäldes ist die geometrische Unterteilung der Leinwand. An diesem Punkt erfordern die ursprünglichen Studien häufig Änderungen der endgültigen Komposition, etwa deswegen, weil sich die Haltung eines Modells als zu starr erwiesen hat. Die Kohlelinien werden dann von der Leinwand abgerieben. Da die Leinwand zuvor mit Öl behandelt wurde, sind die Skizzen der Figuren noch sichtbar. In diesem und jedem anderen Stadium muss die Leinwand sauber sein, eine persönliche Regel, von der ich nie eine Ausnahme mache. Mit einem sehr feinen Pinsel übermale ich die schwachen Kohlelinien mit gebrannter Umbra."





9. Dod Procter



Bill and Cat

Porträt des Sohns der Künstlerin.

Am Morgen



"The Orchard" - ihr Malstil ändert sich völlig. Zwar zeigen die Werke das akribische Finish und das Licht ihrer früheren Arbeiten, jedoch ohne harte Linien und fest umrissenen Farbkörper.