Juni



(in Vollbild am schönsten - F11)







1. Max Liebermann



Gartenlokal an der Havel - Nikolskoe
1916

Das Bürgertum in der Sommerfrische. Sehen und gesehen werden. Max Liebermann liebt das Sujet des Gartens, aber auch das des bevölkerten Parks oder des sonnenbeschienenen Cafés. Zur farbenprächtig erblühten Natur gehört für ihn auch der diese Natur glücklich genießende Mensch hinzu. Max Liebermann reift zu einem Realisten heran. Während der 1890er Jahre wendet er sich der helleren und lockeren Malweise der Impressionisten zu. Berühmt wird er für die „Sonnenflecken“, d.h. die Beobachtung des Sonnenlichts, das durch Lauben oder Bäume auf den Weg fällt und dabei Lichteffekte hinterlässt. Heute gehört Liebermann neben Max Slevogt und Lovis Corinth zum Dreigestirn des deutschen Impressionismus.



„Der Papageienmann“
eines von Liebermanns berühmtesten Bildern, ist weniger eine Tierstudie als ein Bild mit Lichtstimmung und Farbe. Im Hintergrund flaniert die Freizeitgesellschaft, während der titelgebende Papageienmann sich um seine drei farbenprächtigen Aras kümmert. Im Gegensatz zu den französischen Impressionisten löst Liebermann die Motive nicht in einzelne Farbtupfen auf, auch malt er nicht en plein air Stimmungsbilder, sondern sucht in Studien die aussagekräftigste Komposition.







3. Diego Rivera



The Firestone Self-Portrait
1941

Die spanischen Widmung lautet: „Ich habe mein Porträt für die schöne und berühmte Schauspielerin Irene Rich gemalt und es war im Januar 1941 in der Stadt Santa Barbara in Südkalifornien. Diego Rivera.“



Diego Riveras Bilder, mit seiner Frau Kahlo wohl die bedeutendsten und bekanntesten mexikanischen Maler, zieren unzählige Wände und Fresken in mexikanischen und amerikanischen Museen oder Regierungsgebäuden.
Seine Erfahrungen auf seinen Europareisen fließen in seine riesigen Wandbildern ein.


Epos des mexikanischen Volkes

Abendmahl an der Wall Street


Der Mensch am Scheideweg/Der Mensch kontrolliert das Universum, Detail mit Lenin-Porträt


Detail der Nordwand des Hofes im Detroit Institute of Arts


Die Ankunft des Hernan Cortez in Veracruz

Maler und Färber (Tarasca-Kultur)







4. Frida Kahlo



Raíces
(Nachlass)

Frida Kahlo ist Kult, auch in Deutschland. Längst kann man ihr Tagebuch studieren oder ihre ambivalente Liebesgeschichte zu Diego Rivera in allen Einzelheiten nachlesen. Frida Kahlos Wesenszüge ziehen mittlerweile auch Theater- und Kinofans in ihren Bann. Salma Hayek avanciert in Julie Taymors „Frida“ zum internationalen Kinostar.

Frida Kahlo imponiert in dem Film als lebenshungrige und ungemein anziehende Frau. Dabei ist ihre Vita eine einzige Krankengeschichte, physische und psychische Martyria: Mit 6 Kinderlähmung, mit 18 Jahren Verkehrsunfall mit schwersten orthopädischen und gynäkologischen Verletzungen, mehr als 30 Operationen, jahrelange Odyssee durch Hospitäler Mexikos und der USA. Alkohol- und Drogensucht, Depressionen und immer wieder Schmerzen, schließlich Amputation des rechten Beins, Lebensende im Rollstuhl ...
Frida Kahlo, die ursprünglich Ärztin werden will, verarbeitet dies auf ihre Weise. In erschütternden Gemälden mit Marter, Schönheit und Poesie. Gerade mal 143 meist kleinformatige Gemälde hinterlässt sie, meistens Selbstporträts voller Emotionalität und Direktheit.



"Henry Ford Hospital" (1932): Kahlo nach einer Fehlgeburt. Sie verweist auf die Todesumstände des ungeborenen Kindes - rund um ihr mit Blut beflecktes Krankenbett platziert sie Symbole ihrer Sexualität und fehlgeschlagenen Schwangerschaft.



„Meine Geburt“ (1932): Der im Blut liegende Kopf schonungslos eingeklemmt zwischen den Beinen der Mutter - niemand im kahlen blauen Raum, um bei der Entbindung zu helfen.



Doppelporträt „Die zwei Fridas“ (1939): Das Herz herausgeschnitten, Ehekrise und Trennung.

„Die gebrochene Säule“ (1944): Kahlo öffnet ihren Körper und gibt den Blick frei auf die mehrfach gebrochene Wirbelsäule. Ein orthopädisches Korsett umschnürt ihren von Nägeln durchbohrten Oberkörper.
Kahlos Selbstporträts dokumentieren auch eindrucksvoll ihre Abhängigkeit von den behandelnden Ärzten. 1951 malst sie aus Dankbarkeit für einen Arzt, der ihr mit mehreren Wirbelsäulenoperationen Mut macht, das rührende „Selbstporträt mit dem Porträt von Dr. Farrill“.



"Ich war augenblicklich vollkommen trunken von der Erscheinung dieser außergewöhnlichen Frau“ - so Heinz Berggruen, eine ihrer vielen Affären - in seiner Autobiografie zur ersten Begegnung mit Frida Kahlo. André Breton: Wie reizvoll, wenngleich explosiv auch ihre künstlerische Ästhetik sei, "Kunst wie mit einer farbigen Schleife um eine Bombe".
So sehr Frida Kahlos Person und Werk die Menschen ihrer Umgebung auch faszinieren – als sie 1954 stirbt, ist ihr Name außerhalb Mexikos fast nur eingeweihten Künstlerkollegen bekannt. Heute, fast 50 Jahre später, hat sich das Bild grundlegend gewandelt, die „Malerin der Schmerzen“ gilt als eine der ganz großen Künstlerlegenden des 20. Jahrhunderts - weltweit.
Ihr Ganzkörper-Selbstbildnis "Raíces" erzielt 2006 einen Versteigerungserlös von 5,6 Mill. US-Dollar, das bislang teuerste Bild eines lateinamerikanischen Künstlers.
All das trägt zu ihrm Mythos bei:
Krankheit, Leiden, ihre Ehe mit


Diego Rivera

dessen Untreue und ihre Affären. Ihr revolutionärer Eifer, ihr leidenschaftlicher Patriotismus. Sie zeigt sich gern in traditioneller Tracht; die Frisur hochgesteckt nach Art der Frauen aus Oaxaca und angetan mit deren traditionellem Schmuck. Damit betont sie ihre indigenen Wurzeln bewusst öffentlich. Zu jener Zeit ungewöhnlich, zumal rassistische Kriterien für die Stellung in der stark geschichteten mexikanischen Gesellschaft maßgeblich sind.




Selbstbildnis als Tehuana oder Diego in meinen Gedanken, 1943

Diego Rivera will Frida nie künstlerisch beeinflusst haben, vielmehr soll er ihre Eigenart und Selbstständigkeit stets voll akzeptiert haben. An einen Kritiker: "Ich empfehle sie Ihnen nicht, weil ich ihr Ehemann bin, sondern weil ich ein fanatischer Bewunderer ihres Werkes bin." Nach ihrem Tod bekennt er, sie sei das Wichtigste in seinem Leben gewesen und Frida Kahlo notiert in ihren Tagebüchern, sie hätte ohne Diegos Liebe das qualvolle Dasein nicht ertragen können.
Die Künstlerin bezieht sich in ihren Werken häufig auf präkolumbische mexikanische Kunst der Azteken und Maya und reflektiert die europäische Kunstgeschichte. Ihre Arbeiten befassen sich zudem mit sozialen und politischen Problemen. Sie ist überzeugte Marxistin, bringt dies in Werken wie etwa „El marxismo dará salud a los enfermos“ (1954) (‚Der Marxismus wird den Kranken Heilung bringen‘) zum Ausdruck.

In ihrem Werk tauchen ab den 1940ern vermehrt Selbstbildnisse mit Tieren auf. Die meisten dieser Tiere hält sie sich im realen Leben. Sie besitzt - u.a. - einen Xoloitzcuintli-Hund, mehrere Vögel, ein Reh und zwei Affen. Letztere tauchen zu dieser Zeit mehr als 7 Mal in ihren Porträts auf. Dabei bildet sie nicht nur ihre Haustiere realistisch ab, sie will durch sie ihre seelischen Zustände verkörpern. Manchmal unterstreichen die Tiere ihre Einsamkeit, ein anderes Mal stellt der Affe ihr zweites Ich dar. Oft ist nicht deutlich, ob er ihr Freund oder Feind ist.









1940 Tagebuch:
Grün = warmes, gutes Licht
Rötliches Purpur = aztekisch, Tlapalli, altes Blut des Birnenkaktus,
die lebendigste und älteste Farbe
Braun = Farbe des Muttermals, des vergehenden Blattes, die Erde
Gelb = Wahnsinn, Krankheit, Angst; ein Teil der Sonne und Freude
Kobaltblau = Elektrizität und Reinheit, Liebe
Schwarz = nichts ist schwarz, wirklich überhaupt nichts
Laubgrün = Blätter, Trauer, Wissenschaft; ganz Deutschland hat diese Farbe
Grünliches Gelb = noch mehr Wahnsinn und Geheimnis;
alle Gespenster tragen Anzüge in dieser Farbe,
oder zumindest kommt die Farbe in der Unterkleidung vor
Dunkelgrün = die Farbe von schlechten Nachrichten und guten Geschäften
Marineblau = Entfernung; auch Zärtlichkeit kann von diesem Blau sein
Magenta = Blut? Na wer weiß?!





"Zu Lebzeiten war Frida Kahlo vor allem die exotische Blume am Knopfloch des großen Meisters Diego Rivera. Nach ihrem Tod 1954 war es lange Zeit still um sie, und erst zu Beginn der 1970er Jahre wurde sie im Zuge der Frauenbewegung wiederentdeckt. Seitdem hat es zahlreiche Ausstellungen ihrer Werke und vielfältige Hommagen an die Frau und Künstlerin Frida Kahlo gegeben, und ihre Popularität ist stetig gestiegen. In ihrer Wirkung hat sie Diego Rivera längst übertroffen."


Selbstbildnis an der Grenze Mexiko - USA







5. Max Slevogt



Totentanz
Öl auf Leinwand, 1896

Slevogt leitet mit diesem Werk seine mittlere Periode ein. Das Stück von seltsamer Mischung aus leichtester Beweglichkeit und einer fast plumpen Kraft. Es ist eines jener Werke, die beinahe wider Willen ihres Urhebers geschaffen werden und die dadurch den Stempel der inneren Notwendigkeit bekommen, der das beste Akkreditiv für ein Kunstwerk ist. Damals war die etwas nüchterne, aber in ihren Konsequenzen sehr heilsame Anschauung herrschend, dass ein Gemälde nichts als ausschließlich malerische Tendenzen verfolgen dürfe; alles was irgendwie einen Inhalt zu haben scheint, ist verpönt, und Slevogt ist als ausübender Künstler viel zu sehr ein Tatsachenmensch, als dass er nicht in der Theorie wenigstens auch jener Meinung gewesen wäre. Aber der Gestaltungstrieb ist in ihm viel zu groß, als dass er bei jener schließlich doch auch ins Akademische übertriebenen Lehre des neuzeitlichen Realismus stehen geblieben wäre. Er malt den Totentanz in Erinnerung an jene schönen Situationen, die man auf den Immergrün-Redouten, den im Kaimsaal abgehaltenen Künstlerfesten, sehen kann.
Was auch immer der menschliche oder poetische Gehalt des Bildes sein mag, das eine vom Thema nicht unmittelbar gegebene unheimlich drastische Sprache hat, so ist es in der flutenden Behandlung der bewegten Massen charakteristisch für Slevogts Anschauung der Natur. Die Richtigkeit in der Wiedergabe des Gesehenen ist nicht das Wesen der Kunst. Der Totentanz gehört in gewisser Hinsicht an den Schluss der Periode, wo Böcklins Nachwirkung zu spüren ist, aber er leitet auch eine neue Periode ein.

Mädchen vor dem Löwenkäfig









6. Raffael

Die Sixtinische Madonna
1512



Wenn Raffael auch verschiedenartigste Einflüsse formen, kann von wahllosem Eklektizismus keine Rede sein. Zwar eignet er sich in kürzester Zeit eine erstaunliche Bildung an, bleibt aber gleichzeitig immer ein spontan schaffender Künstler, und was man mit Recht als seinen Klassizismus bezeichnet, ist der glückliche Ausdruck einer harmonisch veranlagten Persönlichkeit. Sein erster Lehrer Perugino beeinflusst ihn wesentlich. Formal noch diesem verhaftet, zeigen schon seine ersten Arbeiten eine außergewöhnliche Frische der Empfindung, die seiner ausgeglichenen Natur entspricht.


Vision eines Ritters

Mit 'Vermählung Mariae' wandelt er das Vorbild Peruginos ab zu stärkerer Geschlossenheit der Komposition und belebt es durch ein feines Gefühl für leise Abweichungen von der Symmetrie. In Florenz befasst er sich zwischen 1504 und 1508 mit Leonardos Schaffen und macht sich dessen Dreieckskomposition zu eigen:


Maria mit dem Kinde und dem Johannesknaben

Als der Papst 1508 auf Fürsprache Bramantes, seines Onkels, Raffael nach Rom ruft, ist die Stadt in gewaltigem Umbruch. Julius II, seit dem Mittelalter der erste Papst, der sich wieder in Vorstellungen des römischen Imperiums bewegt, wünscht eine seinen Träumen angemessene Kunst um sich zu sehen. Rom braucht als Mittelpunkt der allgemeinen Erneuerung Bauwerke, die seine Mission zum Ausdruck bringen: eine neue Basilika des heiligen Petrus und einen neuen vatikanischen Palast. Gleich Bramante und Michelangelo glaubt Raffael sich dazu berufen, Werke zu schaffen, die den päpstlichen Plänen entsprechen. Er soll die "Stanzen" im Vatikan ausmalen, die Gemächer Julius' II. In der 'Camera della Signatura' entstehen 1509 bis 1511 drei große Fresken: Der Triumph der Religion, Die Schule von Athen und


Der Parnass

Aaußerdem neben einigen anderen Darstellungen die allegorischen Rundbilder der Theologie, Philosophie, Poesie und Gerechtigkeit im Gewölbe. Das sicherlich im Kreise von Gelehrten erstellte Bildprogramm repräsentiert das Wissen und die Erkenntnisse der Zeit, die humanistischen und Wertungen im Denken und Glauben sowie gegenüber der Schöpfung und dem menschlichen Leben. An diese großartig gelungenen Bilder, die ein goldenes Zeitalter angekündigen, reihen sich dramatische Szenen in der


Stanze d'Elidoro

Rafael hat die künstlerischen Impulse aus der Berührung mit der antike vollauf verarbeitet, antwortet hier auf die von Michelangelo und dem Kolorismus und der Helldunkel-Malerei Venedigs ausgehenden Anregungen.
Ohne Unterlass nimmt Raffael neue Eindrücke auf, um sie zu verarbeiten. Der religiösen Malerei gibt der Künstler neue Ausdrucksmöglichkeiten mit seiner überirdischen Sixtinischen Madonna.
Unter den Portraits gibt es faszinierende künstlerische Experimente, etwa die Stufenleiter der Grautöne auf dem Bildnis des Grafen Castiglione. Rafael versteht es hier vortrefflich, Menschen zu charakterisieren und Atmosphäre zu veranschaulichen.







7. Max Klinger



Opus XII, Brahms Phantasie
1894

Max Klinger, unter seinen Zeitgenossen der „deutsche Michelangelo“, ist nicht nur für seine Skulpturen und Gemälde berühmt, sondern vor allem für seine Druckgraphiken. Seine Neuerungen auf diesem Gebiet werden mit niemand geringerem als Albrecht Dürer verglichen. Zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts berufen sich auf sein Werk, so u.a. Max Beckmann, Käthe Kollwitz und Max Ernst.
Prometheus sitzt mit dem Gesicht in die Hände gestützt, nach seiner Befreiung durch Herakles, auf dem Felsen. Klinger stellt sich hier selbst dar. Wir sehen ihn als einsamen Schöpfergott Prometheus. Die Fesseln sind zwar abgeworfen, aber seine Körperhaltung vermittelt deutlich, dass das Genie an der Welt verzweifelt. In die Sprache der Musik übertragen, setzt Klinger hiermit einen „Schlußakkord“ und beendet den zweiten Teil und somit den gesamten Zyklus.
Max Klinger fertigt während seiner künstlerischen Laufbahn circa 400 druckgrafische Werke an. Die Brahmsphantasie, eine 26 m lange Partitur, spiegelt Klingers tiefe Bewunderung für Bahms Kompositionen wieder. Klingers Intention ist nicht, den Inhalt zu verbildlichen, sondern viel eher die Klangassoziation zu schaffen, die Musik und Gedicht hervorrufen.
Gleich der Musik von Brahms stehen auch Klingers Darstellungen in der Stil- und Motivtradition der Romantik. Die Musik Brahms' mit ihren Modulationen, ihrem Wechsel von Dur nach Moll, auch am Schluss, ihrer Endung auf Quinte und Terz, ihrem Orgelpunkt, auch die Bewegungsabläufe der Melodik setzt Klinger in anekdotische Bilder um.

Trilogie Philosoph



Eine Gesandtschaft



Der Eisläufer





UN GUANTO

Un guanto precipitò
Da una mano desiderata
A toccare il pavimento del mondo
In una pista affollata
Un gentiluomo, un infedele lo seguì con lo sguardo
E stava quasi per raggiungerlo
Ma già troppo in ritardo
E stava quasi per raggiungerlo
Ma troppo in ritardo

Era scomparsa quella mano
E tutta la compagnia
E chissà se era mai esistita
Era scomparsa quella mano
E restava la nostalgia
E il guanto e la sua padrona
Scivolavano via
E il guanto e la sua signora
Pattinavano via

Sotto un albero senza fiori
Si struggeva l'amore amato
E il guanto era a pochi passi
Irraggiugibile, consumato
In quella grande tempesta d'erba
Non era estate né primavera
E non sembrava nemmeno autunno
Però l'inverno non esisteva
E non sembrava nemmeno autunno
Perché l'inverno non esisteva

Quando un uomo da una piccola barca
Un mezzo marinaio
Vide qualcosa biancheggiare
Un uomo da una piccola barca
Sporgendosi sul mare
Era il guanto che rischiava di affondare
Era il guanto che rischiava di annegare

Fu un trionfo di conchiglie, un omaggio di fiori
Per il guanto restituito alla banalità dei cuori
Ad una spiaggia senza sabbia
Ad una passione intravista
Ad una gabbia senza chiave
Ad una stanza senza vista
Ad una gabbia senza chiave
Ad una vita senza vista

E intanto milioni di rose
Rifluivano sul bagnasciuga
E chissà se si può capire
Che milioni di rose non profumano mica
Se non sono i tuoi fiori a fiorire
E se i tuoi occhi non mi fanno più dormire

Era la notte di quel brutto giorno
I guanti erano sconfinati
Come l'incubo di un assassino
O i desideri dei condannati
Dietro al guanto maggiore
La luna era crescente
E piccoli guanti risalivano la corrente
E piccoli guanti risalivano la corrente
Fino al capo dei sogni
E alla riva del letto
Dell'innocente che dormiva

Un mostro sconosciuto
Osservava non osservato
Sopra il tavolo il guanto incriminato
Sopra il tavolo un guanto immacolato

E il guanto fu rapito in una notte d'inchiostro
Da quel mistero chiamato amore
Da quell'amore che sembrava un mostro
Inutilmente due nude mani
Si protesero a trattenerlo
Il guanto era già nascosto
Come nessuno può più vederlo
Il guanto era già lontano
Quanto nessuno può più saperlo
Oltre la pista di pattinaggio
E le passioni al dì di festa
E le onde di tutti i mari

E il trionfo nella tempesta
E le rose nella schiuma
Il guanto era volato più alto dellla luna
Oltre al luogo e all'azione
E al tempo consentito
Tra l'amore e alle sue pene

Il guanto si era già posato in quel cielo infinito
Dove Psiche e Cupido sorridono insieme
Dove Psiche e Cupido governano insieme









8. Martin Schongauer



Maria im Rosenhag




Heiliger Antonius, von Dämonen gepeinigt (Kupferstich) groß

Schongauer verdankt seine Berühmtheit weniger seiner Malerei als seinen Kupferstichen: Michelangelo hat einen seiner Stiche als Vorlage für ein Gemälde benutzt. Erfindung und Entwicklung des Kupferstiches ist für die deutsche Kunst von entscheidender Bedeutung. Zwar sind andere Künstler Schongauer vorausgegangen, aber er ist der erste, dessen in Linienspiel und selbst in ihrem Manierismus bezaubernde Stiche weite Verbreitung fanden. Einzig wirklich gesichertes Werk der Malerei ist Maria im Rosenhark in der Martinskirche von Colmar. Maria trägt ein zinnoberrotes Gewand; ihre überaus feingliedrigen Hände spielen mit dem Kind, dass mit seinem dicken Bäuchlein wie eine Puppe aussieht. Blumen schmücken das Rasenstück, auf dem sich die Szene abspielt. Auf dieser Arbeit findet sich etwas von dem wundervollen Linienspiel wieder, dass die Kupferstiche des "hipsch Martin" auszeichnet.





9. Gustave Courbet



Selbstbildnis als Verzweifelter
Öl auf Leinwand 1844/45

„Le Désespéré“ gehört zu den aufsehenerregenden Selbstbildnissen des jungen, ambitionierten Künstlers. Mit ihnen versucht er am Salon zu reüssieren. Blicke regeln in diesem ikonischen Porträt den Bezug zur Welt und dem Inneren: Er inszeniert die Verzweiflung und den Wahnsinn als Abgrund, in den er hinabzustürzen droht.
Der Ursprung der Welt:



Courbets umstrittensten Werk: „L´Origine du monde“. Auf einer Seite führen dunkle Höhlen auf den Venushügel zu, während auf der anderen Seie Blumenstillleben und erotisch inszenierte Frauenbilder hängen. Courbet malt das Bild für Kahlil-Bey, den türkischen Botschafter am Hof von St. Petersburg, Moslem, hochgebildeter Lebemann und Sammler erotischer Kunst, der in Paris weilt, um sich von Syphilis heilen zu lassen, womit das Gemälde auch als Ex voto verstanden werden könnte. Der weibliche Unterleib gehört Constance Quéniaux, der Geliebten des Kahli-Bey. Kein historischer oder literarischer Kunstgriff lenkt von der quasi anatomischen Darstellung des weiblichen Geschlechts ab. Courbets meisterhafter Kunst, seiner feinen bernsteinfarbenen Farbskala ist es zu verdanken, dass es nichts von einem pornografischen Bild hat. Aber gerade das scheint auch der Grund zu sein, dass man es der Öffentlichkeit viele Jahrzehnte vorenthält.

1871, während der Pariser Kommune, spricht sich Courbet, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Säule wohnt, für die Versetzung der Colonne Vendôme vor das Hôtel des Invalides ein. Unter Courbets Leitung wird ein Holzgerüst angebracht, die Säule in mehrere Segmente zersägt und der Platz vor der Säule, auf den die Überreste fallen sollen, mit Stroh bzw. Mist ausgelegt. Mit Hilfe von Seilen und einer Winde wird vor vielen Schaulustigen die Säule umgerissen, nachdem zuvor zwei Mal das Seil reißt. Courbet wird bestraft. Nach dem Ende der Kommune lässt 1873 der Präsident der neuen Republik die Colonne Vendôme wieder errichten. Bis Zum Zeitpunkt seines Todes kann Courbet den enormen Schadensersatz nicht abbezahlen.







10. Thomas Couture



Die Römer der Verfallszeit
Öl auf Leinwand 1847

Er braucht 3 Jahre, um das virtuose Gemälde zu realisieren. In der Tradition der alten griechischen Meister, der Renaissance und der flämischen Schule soll das Bild eine neue Blütezeit der französischen Malerei einleiten. Es gehört zur Historienmalerei, die im 19. Jahrhundert als erhabenste Kunstgattung gilt: Sie dient der Darstellung menschlichen Handelns und der daraus resultierenden moralischen Botschaft. Couture selbst gibt uns die Erklärung, er zitiert Juvenal: Grausamer als der Krieg hat sich das Laster auf Rom gestürzt und rächt das besiegte Universum.
In der Mitte des Bildes eine Gruppe von Figuren, die - ihrer Ausschweifungen überdrüssig - erschöpft daliegen oder noch trinken und tanzen. Drei Männer im Vordergrund halten sich fern: der links auf einer Säule sitzende melancholische Jüngling und zwei fremde Besucher auf der rechten Seite, die die Szene missbilligend beobachten. Die antiken Statuen oberhalb der Szene scheinen die Orgie gleichfalls zu verurteilen.
Das Gemälde ist Illustration eines alten Textes und Anspielung auf die seinerzeitige französische Gesellschaft. Als republikanischer, kirchenfeindlicher Jakobiner kritisiert Couture den moralischen Verfall der Julimonarchie Frankreichs, deren Machthaber aufgrund verschiedener Skandale in Misskredit geraten. Die Kunstkritiker sehen in den Römern dieser realistischen Allegorie die Dekadenz der Franzosen.





11. Edouard Manet



Das Frühstück im Grünen
1863

Er studiert die alten Meister im Louvre, lässt sich in Maltechnik und Motiven von Frans Hals , Diego Velázquez , Tizian Tintoretto , Francisco de Goya und Delacroix beeinflussen.


"Der Absinth-Trinker"

stößt auf Widerstände. Manet ist kein angepasster Künstler, weder an das Publikum, noch bei Kritikern oder bei seinen Kunst-Kollegen. Mit den Gemälden "Frühstück im Grünen" und


"Olympia"

löst er öffentliche Skandale aus. Er hält sich nicht an die zeitgenössischen Konventionen der Aktmalerei, die Nacktheit nur in Verbindung mit dem Göttlichen darzustellen erlauben. Der Pariser "Salon der Zurückgewiesenen" (Salon des Refusés) stellt die Gemälde 1863 und 1865 aus.
Dieser Salon entsteht auf Initiative Napoleons III., nachdem die Auswahlkriterien des "Pariser Salon" in die Kritik geraten. Dort entscheidet eine Jury über die Erlaubnis jedes einzelnen Bildes. Der Salon der Zurückgewiesenen bietet genau jenen Künstlern Platz, deren Werke die Jury abweist. Gerade dadurch aber erhalten viele dieser Werke besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Auch Manets Bilder gewinnen gesellschaftliche Beachtung und lösen Auseinandersetzungen aus, die weit über die Wirkungen der Werke des Pariser Salons hinausgehen.
Dichter Mallarmé, eine Freund Manets, meint: "Edouard Manet, und kein anderer ist das Haupt der impressionistischen Schule."
Dominic Ingres von der Kunstschule Ecole des Beaux-Arts ("der Salon") in Paris gilt dort als absolute Autorität und prägt die Kunstauffassung im Frankreich des 19. Jahrhundert. Er lehrt, das Wichtigste an einem Kunstwerk sei die Linie, Form und Farbe unbedeutend. Es entsteht Streit zwischen Ingres und Delacroix, für den Farben viel wichtiger sind als Zeichnungen.
Edouard Manet vollzieht als Erster endgültig den Bruch mit Ingres und seiner Lehre. Dadurch sieht ihn die Kunstgeschichte heute als Wegbereiter der Impressionisten, er selbst sich nicht, distanziert sich bewusst von Ausstellungen der Impressionisten. Allerdings nähert er sich ihrem Malstil an. Auch beeinflussen die jungen Impressionisten und Manet sich gegenseitig, z.B. im Gebrauch von hellen Farben und der Gewichtung auf die Effekte des Lichts.
Manet übernimmt den direkten, gewagten Pinselstrich in seine Maltechnik. Mit der Benutzung von Farben geht er ökonomisch um. Schwarz-, Grau- und Beige-Töne spielen eine große Rolle in seinen Bildern. Dazu benutzt er zusätzlich Grün, Gelb und nur wenig Blau- und Rottöne.
Seine Hauptmotive bleiben Menschen, aber er malt auch eine Reihe Bilder vom Meer. Auch dort ist das aktuelle Zeitgeschehen seine Vorlage.


Die Schlacht zwischen "U.S.S. Kearsarge" und "C.S.S. (Confederate States Ship) Alabama"

1980 entdeckt die französische Marine das Wrack der "Alabama" auf 59 m Tiefe.
Im Amerikanischen Bürgerkrieg greift 1864 die “Kearsarge” vor Cherbourg die “Alabama” an und versenkt sie. Edouard Manet erfährt vom Kampf der beiden Schlachtschiffe aus der Zeitung. Ein eher bizarrer Vorfall. Die Alabama, eine als Rahschoner getakelte Schraubensloop mit Dampfmaschine, gebaut im Auftrag der Konföderierten Staaten von Amerika („Südstaaten“) auf der Werft Laird Brothers in Birkenhead (England) unter dem Tarnnamen "Enrica" und 1862 in internationalem Gewässer bei den Azoren von der Marine der Südstaaten mit dem Namen "Alabama" in Dienst gestellt, hat die Aufgabe, Schiffe der Nordstaaten („Union“) im Nordatlantik und in der Karibik zu kapern oder zu versenken. Später dehnt sie ihre Kaperfahrten auf Südatlantik und Indischen Ozean aus. Insgesamt kapert oder versenkt sie 55 Schiffe der Union. Auf ihrer 2jährigen Kaperfahrt sieht sie nicht ein einziges Mal einen heimischen Hafen.
„Kearsarge“ stellt den jahrelang marodierenden Dampfsegler just vor der französischen Küste und versenkt ihn. Manet erkennt die Möglichkeit, ein modernes Historienbild zu malen, wie es Théodore Géricault mit dem skandalträchtigen „Floß der Medusa“ vorgemacht hat.
Manets Komposition beruht auf Augenzeugenberichten und schwelgt in exakten Details. Das Ereignis spielt sich im oberen Bilddrittel ab. In der Bildmitte dominiert stattdessen das grünblau-grauschwarze Meer. Die Indifferenz Manets gegenüber einem traditionell als „heroisch“ darzustellenden Ereignis ist bezeichnend für die neuartige Sicht des Großstädters, für den auch Nachrichten Teil seiner Unterhaltung darstellen.
Landschaft spielt in Manets Œuvre keine Rolle, es sei denn als Hintergrund der Freizeitvergnügen, wie sie die Impressionisten so gern festhalten. Insofern überrascht die Vielzahl der Marinebilder, die sich auf immerhin ein Zehntel des Gesamtwerkes summieren. Manet hat als 16jähriger zur See fahren wollen. Er fällt jedoch 2 Mal durch die Aufnahmeprüfung der Offiziersschule. Dazwischen liegt eine viermonatige Passage nach Brasilien, die dem zeichnerisch begabten Jüngling lebenslangen Respekt für die Seefahrt mitgibt.
Knapp ein Jahrzehnt später nimmt sich Manet erneut eines spektakulären Ereignisses auf See an, der Flucht des linksgerichteten Publizisten Rochefort aus politischer Gefangenschaft in einer französischen Überseekolonie mit einem Ruderboot.
Das Gemälde „Die Flucht des Henri Rochefort“ – in Format und Anlage dem „Kearsarge“-Bild auffallend ähnlich;

zwar füllt das Ruderboot die Bildmitte, doch wiederum ist das bewegte Meer der eigentliche Bildgegenstand. Das rettende Segelschiff dümpelt am oberen Bildrand. Zwischen beiden Gemälden entfaltet sich die zwar chronologische, gleichwohl hinsichtlich der malerischen Entwicklung diskontinuierliche Abfolge der Manetschen Marinebilder.
Drei Jahre nach dem „Kearsarge“-Schlachtenbild malt er die Erschießung des mexikanischen Kaisers Maximilian – wiederum ein „modernes Historienbild“ und erneut ein Skandal. Dem Bild liegt die Hinrichtung von Kaiser Maximilian, einem Bruder von Kaiser Franz Josef von Österreich, bei der Stadt Querétaro in Mexiko am 19. Juni 1867 zu Grunde.
Émile Zola: „Frankreich erschießt Maximilian“. Diese Botschaft versteht auch die kaiserliche Zensur und Mane darf das Bild 1869 auf Druck der Behörden nicht ausgestellen.
Die Soldaten geben die erste Salve auf die Verurteilten ab. Maximilian, mit mexikanischem Sombrero, steht zwischen zwei seiner Generale, rechts Miguel Miramón und links Tomás Mejía. Mejía ist schon von den Kugeln der unmittelbar vor ihm aufgestellten Soldaten getroffen. Die Soldaten tragen auf diesem Bild französische Uniformen, obwohl die wirkliche Exekution Mexikaner ausführten. Über eine Mauer beobachtet eine Gruppe Mexikaner das Geschehen. Groß in den Vordergrund gerückt, hantiert ein Offizier teilnahmslos mit seiner Waffe. Manet signiert das Bild unten links mit seinem Namen und dem Tag der Erschießung, nicht mit dem Datum der Fertigstellung des Bildes.
Manet kannte sicherlich "Die Erschießung der Aufständischen" von Francisco de Goya, dessen Bilder er bei seinem Besuch im Prado von Madrid gesehen hat. Doch die Darstellungsweise Manets weicht von jenem berühmten Bild deutlich ab: Aus der Nacht wird ein heller Sommertag, und die dramatisch bewegte, tiefenräumlich gestaffelte Szene Goyas weicht einer strengen, auf schmaler Raumbühne rechtwinklig organisierten, flächigen Struktur. So sind die Gewehre bildparallel, geradezu an den Delinquenten vorbeizielend ausgerichtet und auch die Mauer kann hier kaum als Kugelfang dienen, sondern bildet eine rückwärtige Raumbegrenzung parallel zur Leinwand. "Zu den Markenzeichen von Manets Kunst gehört die Rückführung des Dargestellten auf die Flächendimension".
Während der Mexikanischen Interventionskriege wird Maximilian 1864 auf Betreiben Kaiser Napoleons III. von Frankreich als Kaiser von Mexiko inthronisiert. Das politische Wagnis misslingt: Die legitime Regierung von Präsident Benito Juárez nimmt Maximilian gefangen, ein Kriegsgericht verurteilt ihn zum Tode.



Und endlich: "Blonde Frau mit entblößten Brüsten" (ca. 1878)







12. Rosemarie Trockel



Märzôschnee ûnd Wiebôrweh sand am Môargô niana më

"Neuschnee im März und Frauenschmerz sind am nächsten Morgen verschwunden"
Es gibt nur wenige Künstler, die wie Rosemarie Trockel zu keiner Zeit ihre formale und inhaltliche Eigenwilligkeit eingebüßt haben. In ihrer mehr als 30-jährigen Karriere gelingt es der Künstlerin, immer wieder mit neuen Werkkomplexen und Objekt- und Bildfindungen zu überraschen.



In den 1980er Jahren sorgen ihre Strickarbeiten für großes Aufsehen. In den heute legendären Strickbildern verwendete sie zum Beispiel das Piktogramm für Wolle, den Playboy-Bunny oder Hammer und Sichel als institutionsreflektierende, feministische und politische Symbole.
Zeichnungen, Collagen, Skulpturen, Keramikarbeiten, raumgreifende Installationen sowie filmische oder fotografische Arbeiten nehmen einen nicht weniger prominenten Platz in ihrem Schaffen ein und fügen sich zu einem umfassenden und abwechslungsreichen Œuvre, in dem werkimmanente Bezüge eine ebenso wichtige Rolle spielen wie Themen und Einflüsse aus Kunst, Literatur, Wissenschaft oder aktueller Zeitgeschichte.

















In der 1980ern macht die Künstlerin weltweit von sich reden, als sie zur führenden feministischen Stimme der Nachkriegsgeneration wird. Sie gehört zur Generation der deutschen Nachkriegskünstler. Trotz ihrer stilistischen Vielfalt vereint viele von ihnen ein Interesse am Primitivismus, denn mit dessen Hilfe hofften sie, das historische Trauma der vergangenen Nazi-Herrschaft zu verarbeiten. Die verstümmelten „Helden“ von Georg Baselitz sind direkte Nachfahren der durch die Nazi-Propaganda als „degeneriert“ verdammte Kunst der 1930-er Jahre – ihre verstörende Form spricht dem Publikum der 1960er das Recht ab, die Kriegsgräuel in Vergessenheit geraten zu lassen.
Die schlichten Sujets und nichtproportionalen Figuren in den frühen Bildern Trockels stehen in geistiger Nähe zur Bewegung der „Neuen Wilden“. Trockel sucht aber andere, weniger heroische Formen, mit dem Körper und der Identität zu arbeiten.
In der Serie „Hoffnung“ aus dem Jahr 1984 erschließt die Künstlerin ihrem Publikum den emotionalen Ausdruck in den Gesichtern von Affen. „Hoffnung“ wirft uns auf die Formel der Frührenaissance zurück: „Die Kunst ist der Affe der Natur“.
Ihre aus Wolle erschaffenen „Strickbilder“ bringen ihr weitaus größere Berühmtheit als ihre Grafik ein. Stricken ist wie einige andere Phänomene der DIY-Kultur, etwa das Anfertigen von Prints, ein wichtiger Bestandteil feministischer Praktiken, die auf die Überwindung der Vorstellung einer Zweitrangigkeit „weiblicher“ Kreativität und Handarbeit abzielen. Allerdings strickt Trockel ihre „Bilder“ beileibe nicht von Hand. Indem sie die endgültige Umsetzung an eine Strickmaschine delegiert, schafft sie eine komplexe Verflechtung in der Hierarchie unterschiedlicher Materialien, Sujets und Fähigkeiten der Produktion. Farbe oder Wolle, kunstloses Ornament oder flächendeckende Farbe, weibliche Hände oder die Nadeln einer Maschine – all das befeuert die Frage danach, was ein Werk für uns vollkommen macht.









13. Francisco di Goya



Die nackte Maja
1795–1800



Die bekleidete Maja 1795–1800

Goya, ein genialer Künstler von geradezu unglaublicher geistiger Dynamik, Neugier und Schaffenskraft, ist auch ein großartiger Bildnismaler. Es ist nicht leicht zu entscheiden, welcher der beiden Majas wir den Vorzug geben sollen, der nackten oder der bekleideten. Fast möchte die bekleidete Maja aufregender, sogar verderbter erscheinen. Beide zusammen bilden jedoch die wohl faszinierenste Darstellung der unbezähmbare Macht des Weibes, die man sich überhaupt denken kann. Und diese Allmacht des Weibes drückt sich nicht weniger in der sinnlichen Erscheinung der nackten Frau als vielmehr in der aufreizenden Maja-Hose aus, die Damen der Gesellschaft zu tragen pflegten, wenn sie sich wie "Majas" benehmen wollten. Während die bekleidete Maja als beunruhigendes Symbol des Weiblichen stärker auf uns wirkt, tritt ihre unbekleidete Schwester ebenbürtig neben die glänzenden Darstellungen weiblicher Schönheit, die Rubens, Tizian oder Ingres gegeben haben.
Unglaublich: 1814 muss Goya sich vor der Inquisition rechtfertigen. Die nackte Maja ist das erste Aktbild der spanischen Kunst, auf dem Schamhaar zu sehen ist. Das Gemälde - ursprünglich durch ein Scharnier mit seinem Gegenstück verbunden - ließ sich mittels dieser Vorrichtung durch die züchtige Darstellung verdecken.



Der 3. Mai 1808.
Goya gehört zu jenen Gestalten, die ohne Verbindung mit der unmittelbaren Vergangenheit und ohne direkte Nachfolge ganz unvermittelt aus der Geschichte der spanischen Malerei heraustreten und sich weit über ihre Zeitgenossen erheben. Der Philosoph Ortega y Gasset bzeichnet dieses Phänomen als den spanischen 'Adamismus'. Genies dieser Art gleichen insofern Adam, als sie ihr Werk gleichsam als Neuschöpfung der Welt ansehen. Goya gehört zu ihnen. Darüber hinaus ist er eine Symbolgestalt seines Heimatlandes, gibt er doch dem Schmerz und Zorn Spaniens während der napoleonischen Kriege in seinen Bildern Ausdruck. Die Hinrichtung am 3. Mai 1808, die tragische Ohnmacht der Rebellen ist der grausamste Aufschrei, den Spanien bis zu Picassos Guernica hörte.
Ort:
Hinterhof einer Kathedrale. Napoleon hat Spanien unterworfen, das Königshaus in Madrid muss bereits seine Befehle entgegennehmen und ausführen. Am 2. Mai 1808 versuchen Teile der spanischen Bevölkerung, die von Frankreich angeordnete Abreise von Francisco de Paula, Bruder von König Fernando VII., mit Gewalt zu verhindern. Die Situation eskaliert, es kommt zu einem ungleichen, harten Kampf mit den französischen Truppen. Tagebefhehl des Oberkommandierenden der französischen Truppen Joachim Murat:
„Der irregeführte Pöbel von Madrid hat sich hinreißen lassen zu Revolte und Mord. Französisches Blut ist geflossen. Es verlangt Rache.“
Die Franzosen töten sofort jeden Spanier, den sie mit einer Langwaffe antreffen. Es sind annähernd 400 Opfer. 45 Aufständische treiben die Franzosen in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai auf dem Hügel von Principe Pio zusammen und erschießen sie.
Die Vorgeschichte hält Goya in diesem Bild fest:

Natürlich fehlt in Goyas Werk das Bild des Todes nicht. Sein Sarkasmus ist für Nichtspanier kaum verständlich. Goya der unerbittliche spöttische Moralist. Die verwelkte Schönheit, die groteskerweise fortfährt, sich zu schminken und herauszuputzen, gehört zu den Themen, die seinen makabren Spott am meisten reizen. An die Stelle der Sense tritt in Goyas philosophischer Gedankenwelt ein Besen.

Unter einem Billet, das er 1825 einem Freund Freund schickt, liest man den aufschlussreichen Nachsatz: "Und wenn wir sterben, soll man uns halt begraben!" Überlegenes Achselzucken eines großen Zynikers in der Einsamkeit seiner letzten Jahre, vor seinem Abgang vom Schauplatz der Welt!



Als besonders schonungslos in seiner realistischen Darstellung überrascht die Familie Karls IV., entstanden 1800. Ein zeitgenössischer Kritiker äußerte, der König (6. v. rechts auf dem Gemälde) und seine Frau (8. v. rechts) „sähen aus wie ein Bäcker und seine Gemahlin nach einem Lotteriegewinn.“ Kunsthistorisch ist das Gemälde in Zusammenhang mit Goyas berühmtem Vorgänger Velázquez zu sehen. Wie dieser stellt auch er sich hinter seiner Staffelei als subjektiver Beobachter der Familie des Königs am Hofe dar.
Auch mit seinen Radierungsfolgen 'Caprichos' und 'Desastres', in denen Goya die Verfehlungen und Laster der damaligen Kirchenvertreter kritisch anprangert, erregen Anstoße.







14. Takashi Murakami



LOTS, LOTS OF KAIKAI AND KIKI



International bekannt machen ihn Gemälde, die sich vornehmlich auf die Otaku-Subkultur beziehen, indem er deren Motive aus ihrem Zusammenhang herausnimmt und isoliert darstellt oder in andere Zusammenhänge einbringt. Medienwirksam ist der Auftrag, für den Taschenhersteller Louis Vuitton Entwürfe zu fertigen. Seitdem hinterfragt man Murakami als Künstler, andererseits ist er als Grenzgänger zwischen Kunst und Design oder Popkultur populär. Seine CD-Covers unterstreichen das. 2018 steuert er das Cover zum Debütalbum von Kids See Ghosts, einem gemeinsamen Projekt von West und Kid Cudi, bei.



Murakami selbst nennt seine Kunst Superflat. Damit bezieht er sich nur in einer von verschiedenen Dimensionen auf die in seinen Bildern fehlende Perspektive und Tiefe. In seinem Buch 'The Meaning of the Nonsense of the Meaning' formuliert er Superflat als philosophische Theorie über die japanische Kultur.







16. Konrad Witz

Christophorus
ca. 1435

Nomen est omen: Einer meiner Söhne heißt Christoph - und reist sehr gern.
Christophorus will dem mächtigsten Herrn dienen, aber er findet keinen Herrscher, dessen Macht nicht irgendwie begrenzt ist. Nach langer vergeblicher Suche rät ihm ein frommer Einsiedler, er solle nur Gott dienen, denn nur dessen Macht sei unbegrenzt. Um Gott dienen zu können, solle Christophorus seine große Gestalt als Gottes Willen erkennen und als Fährmann Reisende über einen Fluss tragen. Fortan verrichtet Christophorus diesen Dienst an einer tiefen Furt. Eines Tages nimmt er ein Kind auf die Schulter. Zunächst ist das Kind sehr leicht, aber je tiefer Christophorus in die Furt steigt, desto schwerer scheint es zu werden. In der Mitte des Stromes fürchtet Christophorus, er müsse ertrinken. Christophorus am amderen Ufer: „Du bist auf meinen Schultern so schwer gewesen: hätte ich alle diese Welt auf mir gehabt, es wäre nicht schwerer gewesen.“ Kind: „Des sollst du dich nicht verwundern, Christophore; du hast nicht allein alle Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat. Denn wisse, ich bin Christus, dein König, dem du mit dieser Arbeit dienst.“
Christophorus zählt zu den 14 Nothelfern und ist Schutzheiliger der Reisenden.



Abisai vor David - Heilsspiegelaltar Basel
Abischai ist der Oberste der dreißig Helden Davids. Er begleitet David in das Lager Sauls, wo sie den Speer des Königs stehlen. Im Krieg gegen die Ammoniter unterstellt Joab ihm einen Teil des Heerbanns. Im Kampf gegen Abschalom macht David ihn zum Oberbefehlshaber über den dritten Teil des Heeres. Ferner erhält er den Auftrag, die Rebellen unter Scheba zu verfolgen. Erwähnung findet er auch in der Liste der Helden Davids, nach der er David vor dem Philister Jischbi aus Nob rettet und diesen tötet.
Konrad Witz bemüht sich vor allem um die Gestaltung des Raumes in der Bildebene und die plastische Modellierung der Oberflächen. Zur Lösung dieser Probleme verwendet er kräftige Schatten und eine zwar fehlerhafte, aber sehr eindrucksvolle Perspektive. Bauchigen Falten und Faltenbrüchen gibt er durch Glanzlichter eine starke Reliefwirkung. Er liebt vor allem Rüstungen wegen ihrer klaren kubischen Formen, die um sich herum Bildraum schaffen.







17. Jean Schmiedel

Paar
Öl mit Teerlack auf Leinwand, 2014

Der New Yorker Galerist Georges Bergès hat ihn unter Vertag genommen. Er entdeckte Schmiedel in den sozialen Medien. Seine Kunst ist für Bergès eine Reflexion der menschlichen Erfahrung. Kunst solle nicht dekorativ sein und Schmiedels Kunst wäre auch nicht dekorativ. "Manchmal, wenn man seine Arbeiten ansieht, fühlt man sich weniger allein. Manchmal, wenn man einen schlechten Tag hat, ist es nett zu sehen, dass jemand anders auch einen hat", so Bergès. "Ich bin bei Künstlern sehr wählerisch und suche mir die aus, die mich bewegen und die ich spannend finde."



Angesprochen wird er inzwischen oft. Einige Leute seien stolz, dass es jemand vom Chemnitzer Sonnenberg nach New York geschafft habe und dort erfolgreich sei. Doch es gäbe auch Neid. Nach den ersten Berichten über die Gruppenausstellung in New York habe jemand sein Atelierfenster bespuckt.
Schmiedels Werke sind in Chemnitz weder in Museen noch in den großen Galerien zu finden. Allerdings besäße die Ermitage in Sankt Petersburg einige seiner Bilder. Und in 20 bis 25 Ländern sei er auch in privaten Kollektionen vertreten.

Die letzte ihres Volkes. 2008







18. Meister Francke

Geißelung der heiligen Barbara

aus dem Barbara-Altar, vor 1424

Francke als Vertreter des sogenannten „weichen Stils“ strebt entgegen den früheren, eher starren Formen der Gotik nach anmutigeren, lieblicheren Ausdrucksformen. Diese Milde setzt Francke oft in spannungsvollen Kontrast zur rohen Gewaltdarstellung. Die Mimik und Gestik seiner Figuren ist ausgeprägt. Franckes Werk zeigt Ansätze zur Darstellung von räumlicher Tiefe und zeichnet sich durch die Verwendung kräftiger, prachtvoller Farben aus.







19. Rudolf Schlichter



Überfall im Bordell

Rudolf Schlichter – Eros und Apokalypse
"Der deutsche Dalì" lebt als Bohemien im Rotlichtmilieu, wird in den 1920er Jahren mit neusachlichen Porträts bekannt und versteigt sich später zu Splatter-Surrealismus. Eigentlich müsste Schlichter berühmt sein: Sein Lebenswerk enthält fast alle Garanten für künstlerischen Erfolg. Brillanter Zeichner; die klaren, farbenfrohen Kompositionen erscheinen leicht verständlich. Seine Stilmittel folgen dem Zeitgeschmack: von schwüler Erotik vor dem 1. Ersten Weltkrieg und radikaler Sozialkritik über sachlichen Realismus in den 1920er und Rückbesinnung auf Traditionelles in den 1930er Jahren bis zu apokalyptischem Surrealismus in Kriegs- und Nachkriegszeit.
Dennoch gilt er nur als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“: Ein paar seiner Bilder sind Embleme der Blütezeit der Weimarer Republik, etwa sein Porträt von Bertolt Brecht oder des Journalisten Egon Erwin Kisch. Diese Ikonen werfen einen langen Schatten auf ihren Schöpfer.

Auf dem Land hält Schlichter es nicht aus. Er hat homosexuelle wie transsexuelle Neigungen und schwärmt als Schuhfetischist für Knöpfstiefel. Ist Karl-May-Fan und bebildert seine Wildwest-Fantasien comic-artig.



„Blinde Macht“, zwischen 1932 und 1937 entstanden. Ein halbnackter Koloss von Legionär hinterlässt Tod und Zerstörung. Mit geschlossenem Helmvisier geht er auf einen Abgrund zu; an ihm saugen abstoßende Lemuren und Mischwesen. Es liegt nahe, darin eine Kritik am NS-Regime zu sehen, die Umsetzung ist in jeder Hinsicht monströs.

Erst in den 1950er Jahren findet Schlichter zu einer sozialverträglichen Darstellung seiner Fantasien: mit surrealen Endzeit-Landschaften, die von Giorgio de Chirico, Yves Tanguy oder Salvador Dalì inspiriert scheinen. Mit dem schnauzbärtigen Spanier hat er einiges gemeinsam: technische Virtuosität, Hingabe an seine Muse, besessene Beschäftigung mit sexueller Gewalt und wortreiches Sendungsbewusstsein. Doch Schlichter fehlte Dalìs Talent zur Selbstdarstellung und -vermarktung; so bleibt er vor allem Porträtist und Buch-Illustrator.

Speedy (seine Frau)

Worauf ihn der Kunstbetrieb lange reduziert, soweit er ihn überhaupt wahrnimmt; sein Freund Grosz zeichnet ihn als stillen „Träumer“. Schlichter brütet irrwitzige Gruselgebilde aus, die viele Schockeffekte heutiger horror– und science fiction blockbuster vorwegnehmen: eine schillernde Sumpfblüte, die lange nur verborgen in Privatsammlungen blüht.







20. Hans Memling



Der Ursulaschrein
Ankunft in Köln, um 1489



Aus seinen Werken geht hervor, dass er sich unter oder nach Rogier van der Weyden gebildet hat. Er mildert jedoch dessen Herbheit und gibt seinen Figuren weniger gestreckte Formen. Trotz mancher Eckigkeiten und Magerkeiten zeigen sie anmutige Bewegung, und ihr zarter Seelenausdruck, ihre tiefe und wahre Empfindung fesseln den Beschauer mit großer Macht. Die naive Liebenswürdigkeit seines Erzählens, seine vollendete Meisterschaft in der Farbe und Modellierung, seine zarte Sorgfalt in der Behandlung stehen in seiner Zeit einzig da, weshalb ihn auch die Italiener besonders bevorzugen. Neben dem Schaffen religiöser Werke zeichnet sich Memling auch als ein wichtiger Erneuerer der profanen Porträtmalerei aus. Mehr als ein Drittel seines erhaltenen umfangreichen Werkes besteht aus Bildnissen dieser Gattung. Der Kunsthistoriker Dirk de Vos schließt aus dem Vergleich von Werkgruppen verschiedener zeitgenössischer Künstler, dass Memling – gestützt auf die Kunst des Jan van Eyck und des Rogier van der Weyden – die Basis für das Renaissancebildnis in den Niederlanden geschaffen hat.

Martyrium der Hl. Ursula

Eines seiner berühmtesten Gemälde:

Porträt einer alten Dame mit Haube (1470/75)

Memling hinterlässt ein umfangreiches Oeuvre, das ihm zu Lebzeiten großen Ruhm einträgt, und doch ist sein damaliger Ruhm nichts im Vergleich zu der Verehrung, die ihm die Romantiker entgegengebringen. Für sie ist er der "primitive Maler" schlechthin, die Verkörperung der Kunst von Brügge. Sie schmücken sein Leben mit Legenden, die der historischen Kritik nicht standhalten. Seine Bildnisse sind langweiliger und kraftloser als die Rogiers van der Weyden.



Den größten Erfolg erringt Memling mit dem berühmten Ursulaschrein. Darstellungen von kindlicher Naivität und blühender Fantasie - Testament einer vergehenden Epoche. Auf sechs Tafeln schildert er die Geschichte der Heiligen und ihrer 11.000 Begleiterinnen ab Ankunft in Köln bis zum Martyrium nach der Rückkehr aus Rom. Auf allen Stationen trägt Ursula dieselbe kunstvoll aufgesteckte Figur und einen weißen Mantel über einem blauen Gewand. Die Kleider die Jungfrauen sind rot, grün oder malvenfarbig. Sie alle fallen unter den Waffen der Hunnen. Aber wir sind so betört durch den buntfarbigen Schmelz der Farben, dass uns das Tragische des Geschehens gar nicht so recht zum Bewusstsein kommen will.



Memlings Weltenrichter

Auch Hanse liebt Kunst.
Angelo di Jacopo Tani, 1455 bis 1460 Geschäftsführer der Medici-Bank in Brügge, erteilt 1467 Hans Memling den Auftrag für ein Triptychon in der Michaelskapelle der Badia Fiesolana, die die Medici in Fiesole stiften. Das Triptychon sticht mit dem Schiff in See, Kurs Italien. Kurz nach dem Auslaufen kapert das Hanseschiff "Peter von Danzig" und bringt die Prise, darunter das Gemälde Memlings, nach Danzig. Reinhold Niederhoff, damaliger Bürgermeister von Danzig, schenkt es der Marienkirche, der rechtmäßige florentinische Eigentümer, Tommaso Portinari, bemüht sich vergeblich um Rückgabe. Trotz Intervention Herzogs von Burgund Karls des Kühnen, und des Papstes Sixtus IV. behält Danzig die Beute. Brügge allerdings leitet Schadenersatz an Tommaso Portinari.









21. Georg Scholz



Selbstproträt

Seine Werke erinnern mitunter an die gesellschaftskritischen Abbilder der Nachkriegsgesellschaft von George Grosz oder Otto Dix, so etwa das Aquarell


Zeitungsträger

von 1921, das einen dicken, monokeltragenden Zigarrenraucher im Fond eines Automobils zeigt, während der Zeitungsträger ausgemergelt und gebeugt vor einer industriellen Kulisse zu Fuß geht.
Noch monströser zeigen sich die


Industriebauern

auf einem Gemälde von 1920. Mit diesem Bild nimmt er an der Ersten Internationalen Dada-Messe in Berlin teil.





22. Hugo van der Goes



Die Anbetung der Könige (Monforte Altar)
um 1470

Weder Auftraggeber noch Ort der Bestimmung des Altars sind bekannt. Er gehört zu den frühesten großen Werken von Hugo van der Goes. Maria sitzt mit dem Kind auf dem Schoß vor der Ruine eines palastartigen Gebäudes. Neben inr kniet Joseph, der die Könige aus dem Morgenland begrüßt. Anbetend und in tiefer Verehrung versammeln sich die vom Stern geführten Vertreter der drei Weltreiche mit ihren Gaben vor dem Kind, um dem neuen Herrscher der Welt zu huldigen. Die lebenswahr gestalteten Bildfiguren weisen weit über das in der niederländiscnen Kunst bis dahin Erreichte hinaus. Selten ist das Thema der Anbetung so ergreifend gestaltet worden. Die Wiedergabe, der kostbaren Stoffe und Gegenstände, der Reichtum der Farben und die Unmittelbarkeit des Geschehens verleihen dem Heilsmysterium eine Gegenwartsnähe, die der zeitgenössische Betrachter als Zeichen der lebendigen Bedeutsamkeit des geschilderten Ereignisses empfunden haben muss.
Trotz einer schweren seelischen Erkrankung, die seine letzten Lebensjahre überschattet, ist er weiter als Maler tatig. Die küsnterlerische Leistung van der Goes’ ist auch deshalb so bemerkenswert, weil sich das gesamte Schaffen auf einen Zeitraum von nur 15 Jahren zusammendrängt. In dieser Zeit entstehen Kunstwerke, die durch ihre Ausdruckskraft und Monumentalität zu den eindrucksvollsten Leistungen der niederländischen Kunst des spaten i5.Jahrhunderts gehören. Die "Anbetung der Könige" war Mitteltafel eines großen Triptycnons. Der Verlust der Flügel und die Verkürzung Mitteltafel zeugen vorn wechselnden Schicksal des Werks. Seinen Namen verdankt der Altar der Herkunft aus dern Kloster Monforte de Lemos in Nordspanien.







23. Michelangelo



Die Erschaffung Adams
1682

Die Sixtinische Kapelle (ital. Cappella Sistina) unmittelbar nördlich des Petersdoms und mit diesem über die Scala Regia und Sala Regia verbunden, ist eine der Kapellen des Apostolischen Palastes. Dort findet das Konklave (Versammlung der Kardinäle zur Wahl des Bischofs von Rom, der als Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist) statt. Sie beherbergt einige der berühmtesten Gemälde der Welt. Ihr Name rührt von Papst Sixtus IV. her, der sie zwischen 1475 und 1483 erbauen lässt.
Goethe:Ohne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag.

Michelangelo malt die Deckenfresken 1508 bis 1512 im Auftrag von Papst Julius II. Sie zeigen auf 520 m² Szenen aus der Genesis mit 115 überlebensgroßen Charakteren. Die Erschaffung Adams zeigt, wie Gott mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt. Weltbekannt und unzählbar oft reproduziert.



Versteckte Botschaft: Schöpfungsakt ist Akt unseres Vertands und nicht Gottes. Ungeheure ketzerische Vorstellungen, wo bleibt die Inquisition?







24. Claude Lorrain



Ascanius erlegt den Hirsch der Silvia
1682

Wer immer sich in den europäischen Malerei-Museen in die Säle mit der Kunst des 17. Jahrhunderts verirrt, wird an den Werken dreier um 1600 geborenen Großmaler kaum vorbeikommen: Claude Lorrain genau 1600; Nicolaus Poussin ein bisschen früher, 1594; Rembrandt van Rijn ein bisschen später, 1606. Allein dieser Zufall von Großnamenshäufungen um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert zeigt, welche künstlerische Wende der großen historischen Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert vorausgeht, wenn es dann Zusammenhänge zwischen Wenden in der Kunst und denen in der Gesellschaft gibt.



Claude Lorrain ist kein vergessener Maler. Im achtzehnten Jahrhundert pflegten höfische Gesellschaften mit speziellen Claude-Spiegeln auf die Landschaften ihrer Parks zu blicken, damit das Lorrain-Gefühl sich einstelle, dieses Hinüberwechseln ins Klassische. Das gilt noch einmal und besonders für die Hafen- und Seestücke. Sonnenüberstrahlte Häfen erwecken das Inbild von Ausfahrt oder Heimkunft. Die Betrachter können nur an der Richtung, in der die auf Topp gesetzten Wimpel flattern, erkennen, ob es sich um eine Morgen- oder Abendszene handelt, ob Seewind oder Landwind herrscht. Auch klassizistische Idealität und Offenheit verlangen nach kundigem Blick, um zu verstehen, ob das Abenteuer vorbei ist oder noch bevorsteht.



Hafen mit der Villa Medici (1639)



Hafen mit der Einschiffung der Königin von Saba (1648)

Wohl gilt dies auch für Lorrains Spätwerk „Landschaft mit Ascanius, den Hirsch der Silvia erlegend“ aus dem Jahre 1682: Der Sohn des Aeneas erlegt dort einen der gezähmten Hirsche der Silvia, indem er – wenig waidgerecht – über ein Flusstal hinwegschießt. Auch hier wieder der Kontrast: düstere, bedrohliche Wolken über dem Ort des Frevels, helles Licht über dem Ort des Täters.
Mit solchen Bildern, mit der Darstellung von etwas Unbestimmbarem vor Augen, könnte der Wunsch auftreten, dies zur Heimat haben zu wollen. Auch wenn allen Betrachtern nur zu bewusst sein dürfte, dass eine solche Sphäre sich stets entziehen wird.







25. Lucian Freud

Selbtbildnis
2010



Im Kunsthistorischen Museum Wien hängen die Werke des 2011 verstorbenen Lucian Freud 3 Monate in unmittelbarer Nachbarschaft von Rubens, Rembrandt, Tizian. Ein Ritterschlag, den der Künstler nicht mehr erlebt. Er verstirbt über den Vorbereitungen der Ausstellung.
Das Selbstbildnis zeigt den Künstler vollkommen nackt – bis auf die offenen Stiefeln an den Füßen als Schutz vor Bodensplittern –, hässlich, zumindest erbarmungswürdig. Lucian Freud ist gnadenlos mit sich.



Freud und Wien, das war immer schon eine komplizierte Angelegenheit. Immer wieder bemühen sich diverse Häuser der Stadt vergeblich um den Künstler. Nur einmal gibt er nach und entleiht einige Blätter in eine Ausstellung zeitgenössischer britischer Zeichenkunst. Überzeugend dürfte zuletzt auch gewirkt haben, dass sich im Kunsthistorischen Museum jene Werke im Original befinden, an die er Erinnerungen noch aus Berliner Kindertagen besitzt.
Seine Familie – der jüngste Sohn Sigmund Freuds, der Architekt Ernst Freud, ist nach Studium und Heirat in Berlin sesshaft geworden – lebt in den Zwanzigern nahe dem Tiergarten in der Regentenstraße. Zwei Jahreszeitenbilder von Pieter Breughel hängen dort als Reproduktionen an der Wand: "Jäger im Schnee" und "Die Heimkehr der Herde". Der Großvater hat sie dem Enkel als Geschenk aus Wien mitgebracht. Die Originale befinden sich nun in einem Nachbarsaal der Ausstellung.

Ein Kreis schließt sich. 1933 muss die Familie unter dem Druck der Nazis aus Berlin nach Großbritannien emigrieren. Der damals zehnjährige Lucian spricht fortan nicht mehr Deutsch. Vier Tanten sterben in Konzentrationslagern.

Der Künstler selbst malte über Jahre an einem Werk. So auch am letzten, einem unvollendet gebliebenen Porträt von Dawson zusammen mit seinem Hund Eli.
Die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum zieht den großen Bogen und beginnt mit dem ersten Selbstporträt des gerade 21-Jährigen von 1943.

Ernst blickt der junge Mann den Betrachter an: das ovale Gesicht, die lange Nase, der schmale Mund, die hohe Stirn - die Ähnlichkeit mit dem Großvater ist unverkennbar. Freud bedient sich damals noch eines feinen Zobelhaarpinsels, jedes Detail erscheint akribisch genau. Der junge Künstler steigert dadurch die Beklommenheit im ganzen Ausdruck. Erst in den 1950ern wechselt er zu den groben Schweineborstenpinseln, die seine später typisch lockere Malweise befördern sollen, die Fleischlichkeit seiner nackten Modelle nochmals betont.
Das Porträt wird zu Freuds besonderem Sujet, ja seinem Element, das erweist sich schon mit den ersten Bildern. Auf seine Art betreibt er ebenfalls Analyse, ist Psychologe. Doch spiegelt sich in der Darstellung von Freunden, Nachbarn, Geliebten, eigenen Kindern, seiner selbst auch die eigene Verfassung, spielt die besondere Beziehung herein. Allein neun der 43 nun gezeigten Werke sind Selbstporträts. Besonders berühren die Bildnisse seiner Frauen:



die schwangere Kitty Garman, die er 1951 bald nach Vollendung des Gemäldes verlässt,



Lady Caroline Blackwood, die Guinness-Erbin, mit der er ein Jahr später nach Paris durchbrennt, und schließlich



1960/61 Bernadine Coverly kurz vor der Geburt der gemeinsamen Tochter Bella. Der Blick des Malers umfängt sie zwar mit großer Zärtlichkeit, doch wird sein unnachgiebiges Interesse an Inkarnat, Lagerung der Körperglieder, Verteilung von Masse genauso sichtbar. Bald schon beginnt er seine Akte Nacktporträts zu nennen. Mit diesem Terminus definiert er einen neuen Bildtypus für sich. In ihrer Unnachgiebigkeit machen die Porträts Lucian Freud weltberühmt. Wer heute über figurative Malerei spricht, kommt an seiner Kunst nicht mehr vorbei.







26. Anton van Dyck

Jugendliches Selbstbildnis um 1621

Van Dyck, den Rubens als besten seine Schüler bezeichnet, ist zu begabt, um sich im Schatten irgend eines Künstlers zu halten. Fromentin schreibt über den Künstler einige seiner schönsten Sätze:
"Ein junger Fürst von königlichem Geblüt, dem alles eigen ist, Schönheit, Eleganz, prachtvolle Gaben, frühreifes Genie ..., der starb, als gerade der Thron frei wurde, und der auf keine Art zur Regierung gelangen sollte ..."
Seine feinen, aristokratische Züge, seine rosige, fast zu zarte Haut unter blondroten Haaren auf dem Selbstbildnis stehen in größtmöglichem Gegensatz zu der robusten Gesundheit eines Rubens. Seine Frühreife ist zur Legende geworden. Mit 19 ist er bereits Freimeister. Der Malweise von Rubens hat er sich so glänzend angepasst, dass dieser ihn auf die schwierigsten Aufgaben ansetzt.



Noch heute zerbricht man sich den Kopf, ob die berühmten Negerköpfe von seiner Hand stammen oder nicht. Der Vertrag, den Rubens im Jahr 1620 mit den Jesuiten in Antwerpen schließt, sieht vor, dass die Skizzen des Meisters von van Dyck und den übrigen Schülern ausgeführt werden sollten, d.h. van Dyck wurde als einziger namentlich genannt. Dies wird durchaus verständlich, wenn wir sehen, welche ungewöhnlichen Fähigkeiten van Dyck als Bildnismaler an den Tag legt, sobald er auf eigene Rechnung arbeitet.
1621, unter der Regierung Jacobs I., begibt er sich ein erstes Mal nach England. Aber er bleibt nicht lange dort, sondern wendet sich nach Italien, wo er fleißig Tizian kopiert. Sein erster Aufenthaltsort ist Genua; dort erwartet er sich alsbald die Gunst des Adels.
U.a. entsteht das


Porträt der Marchesa Geronima Spinola-Doria,

einer eleganten Dame in schwarzen Gewand mit Tüllmanschetten, bezeichnend für Mode und Stil dieser Zeit.
In Rom ist sein Erfolg nicht geringer. 1627 kehrt van Dyck nach Antwerpen zurück. Obgleich Rubens zu dieser Zeit durch diplomatische Missionen stark in Anspruch genommen ist, beherrscht seine Persönlichkeit dennoch den Kunstmarkt, und van Dyck findet nicht den Erfolg, den er verdient zu haben glaubt. Daher entschließt er sich, wieder in die Fremde zu gehen, und schifft sich 1632 nach England ein. Diesmal erringt er einen vollständigen Sieg. Von Karl I. bevorzugt, glänzt er im Dienst dieses Fürsten, der zu Recht als einer der besten Kunstkenner Europas gilt.

Das Bildnis zeigt den König, der soeben vom Pferd gestiegen ist, Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle. Die Farben sind überaus delikat (man beachte die raffinierte Zusammenstellung der grauen Seide mit der rotbraunen Kniehose). Meisterhaft ist die Andeutung von Halbschatten um den Reitknecht, der im Hintergrund das Pferd hält.
Der ganze englische Hof findet sich vor seiner Staffelei ein, denn er versteht sich ausgezeichnet mit der englischen Aristokratie, die in ihm mit Recht den größten Bildnismaler der Zeit sieht. Van Dyck führt ein aufwändiges Leben und heiratet die schöne Hofdame


Mary Ruthven.

Um seine Modelle zu zerstreuen, lässt er Musikanten aufspielen. Jabach, der berühmte Kunstsammler, versichert, dass van Dyck nie länger als 1 Stunde an einem Portrait zu arbeiten pflegte. Für die Darstellung der Hände - die berühmten Hände van Dycks! – beschäftigt er bezahlte Modelle, und oft malt er auch die Gewänder nach Schneiderpuppen oder anderen Modellen.

Eines seiner schönsten Bildnisse zeigt zwei Knaben, George und Francis Villiers, beide mit langem, lockigem Haar von einer fast femininen Eleganz. Einer der Knaben, der den Blick zur Seite richtet, trägt einen Handschuh, dessen virtuose Behandlung an Velásquez denken lässt. Rubens ist Ende Mai 1640 gestorben. br> Van Dyck will nun noch einmal sein Glück in der Heimat versuchen. Er reist also im Herbst dieses Jahres nach Antwerpen. Als man ihn auffordert, die für Spanien bestimmten Werke seines Lehrers zu vollenden, verlangt er en so übertrieben hohes Honorar, dass der Kardinal-Infant die Verhandlungen abbricht. Kurzum es gab nur Enttäuschungen, und als van Dyck nach England zurückkehrt, er geht es ihm dort kaum besser. Er stirbt im Dezember 1641, von Krankheit und innerer Unruhe verzerrt, berühmt, aber auch angefeindet.







27. Wilfrid Polke











28. Artemisia Gentileschi



Salome mit dem Kopf Johannes des Täufers
ca. 1610-15

Mit Talent und Mut tritt die Künstlerin ihren männlichen Kollegen, die die Kunstwelt des 17. Jahrhunderts dominieren, entgegen. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter begleitet Artemisia ihren Vater häufig in sein Atelier, wo sie zwischen Pinseln, Leinwänden und Farben ihre Leidenschaft entdeckt. Ein Künstlerdasein zu führen ist für eine Frau dieser Zeit so gut wie unmöglich, vor allem wenn man wie Artemisia nicht aus einer aristokratischen Familie stammt. Sie lässt sich nicht entmutigen. Ebensowenig ihr Vater, der ihr die Grundlagen der Malerei beibringt: Das Mischen der Pigmente, die Anfertigung der Pinsel und natürlich das Auftragen der Farbe. Im Laufe der Jahre verfeinert Artemisia ihre Technik, indem sie die Lithografien der großen Künstler der damaligen Zeit kopiert. Den größten Einfluss haben die Werke Caravaggios, den ihr Vater persönlich kennt.
Sosehr der Vater die Tochter auch unterstützen will, besteht er doch darauf, dass sie ihre Kunst ausschließlich in seinem Atelier ausübt. Die beiden arbeiten immer enger zusammen, sodass Artemisia seine wichtigste Assistentin wird, bis sie schon im Alter von erst 17 mit


Susanna e i Vecchioni (Susanna und die Alten)

ihr erstes eigenständiges Werk schafft.
Agostino Tassi, ein Freund des Vaters vergewaltigt sie.


Corisca und der Satyr, ca. 1630-35

Im Laufe ihrer Karriere bewegt sich Artemisia in Caravaggios Fußstapfen und malt ihre meist biblischen Motive in dessen Hell-Dunkel-Technik. Das klingt zunächst nicht nach etwas Besonderem, denn so mancher Maler des Barock tut das. Artemisia fügte dem Ganzen jedoch noch etwas Neues hinzu: Ein starkes und unbändiges weibliches Element. Man sieht in Artemisias Gemälden Frauen, die keine Angst vor Männern zeigen, sondern mächtige, unabhängige Heldinnen. Eine Revolution zu einer Zeit, als auch die stärksten weiblichen Charaktere aus Bibel und Historie meist nur schwach und sich unterwerfend dargestellt werden.
Das Alte Testament erzählt die Begebenheit so:
Sisera ein kanaanäischer Heerführer unter König Jabin trifft mit seinen Truppen am Bach Kischon auf die israelitische Streitmacht. Beim Anblick der Israeliten flieht Sisera mit seinen Kriegern bis Haroschet-Hagojim, wo sie die Israeliten vernichtend schlagen, während Sisera die Flucht gelingt. Er findet bei Jaël, einer Verbündeten Jabins Unterschlupf. Während er schläft, tötet Jaël Sisera, indem sie ihm einen Zeltpflock mit dem Hammer durch die Schläfe treibt. Das Motiv für die Tat ist unklar.

Von den 60 Artemisia Gentileschi mit Sicherheit zugeschriebenen Werken stellen 40 Frauen dar. In Gestalt von Maria Magdalena, der heiligen Katharina, Esther und Judith hat Artemisia nicht nur ihre Vergewaltigung verarbeitet, sondern Frauen eine Stimme gegeben und somit ihren Platz in der Kunstgeschichte gesichert.

Maria Magdalena


Hl. Katharina


Esther







29. Konrad Lueg



Klinker-Porträt


Lueg erstellt Pattern Paintings (Tapetenmuster-Gemälde), Konrad Lueg ist sein Pseudonym.



Es beginnt in einer Metzgerei. Da die Kunststudenten keine Aussicht auf Ausstellungsmöglichkeiten sehen, mieten sie kurzerhand ein leerstehendes Ladenlokal unweit der Düsseldorfer Kunstakademie und 1963 kommt es zur "Demonstration für den Kapitalistischen Realismus", eine schon legendäre Aktion. Da man ihnen nur einen Ausstellungsraum im Bürotrakt zugesteht, erklären Lueg und Richter kurzerhand das gesamte Möbelhaus mitsamt Tischen, Betten, Sofas, Lampen zum Kunstwerk, stellen ein paar Ausstellungstücke auf Sockel und machen es sich auf Sofa und Sessel bequem, um fernzusehen. Die Tagesschau läuft, Adenauer erklärt seinen Rücktritt.
Wenige Wochen nach der Ausstellung besucht Lueg Paris, wo er zum ersten Mal Originale von Roy Lichtenstein sieht, ein großes Erlebnis, von dem er sich angesprochen fühlt.


Mr. C & A,1963







30. Paris Bordone

Die Übergabe des Rings an den Dogen
Öl auf Leinwand, um 1534/35.

In seinen zahlreichen Porträts, von denen die weiblichen besonders gelungen sind, bringt er mit der Pracht und dem Reichtum des Kolorits eine bezaubernde Wirkung hervor, er in großen Historienbildern iet er oft bunter und härter. Mit "Überreichung des Ringes durch den Fischer" bringt ein Werk hervor, das in Komposition und dem satten Glanz des Kolorits zu den ersten Meisterwerken der venezianischen Schule gehört.
Bordone erzählt uns die Legende von der Stillung des Seesturmes 1340. Der Fischer überbringt dem Dogen den Ring des Heiligen Markus als Beweis für die Wundertat des Bischofs von Myra.

Die Seeleute, die damals mit ihren Schiffen über das Meer fuhren, spannten große Segel auf und die Kraft des Windes trieb ihr Schiff von Hafen zu Hafen. Aus dieser Zeit stammt die Story, wie Nikolaus, der Bischof von Myra, zu ihrem Schutzpatron geworden ist und Markus der von Venedig.
Ein schwer mit den Schätzen des Orients beladenes Schiff auf dem Mittelmeer Kurs Konstantinopel. Sturm kommt auf, türmt die Wellen zu Bergen. In halber Höhe zerbirst ein Mast. Wie wild hauen die Männer mit Beilen und Äxten die Taue durch, eine Woge reißt den Mast hoch auf, er schlägt ein Loch in die Bordwand. Der Käptn schreit dem dem Sturm entgegen: "Sankt Nikolaus, Sankt Nikolaus! Bitte für uns!" "Sankt Nikolaus! Bitte für uns!" schrein die Matrosen. Plötzlich steht mitten auf dem Schiff ein Mann, den sie nie zuvor gesehen haben.
Der Wind flaut ab.Wie ein zerzauster Vogel treibt das Schiff auf dem Meer. "Bringt mir den Mann her, der uns gerettet hat!" Doch so sehr die Seeleute auch suchen, sie finden ihn nicht. Tags darauf fest im Hafen von Myra. Kapitän und Steuermann danken in der Kirche Gott für die Rettung. Am Altar steht der Bischof: Der Mann, der ihnen auf dem Meer so wunderbar geholfen hat. Er gibt ihn seinen Ring mit. Die Geschichte verbreitet sich überall unter den Seeleuten und Nikolaus wird Patron aller Seeleute und Schiffer.



Venus, Mars und Cupid Öl auf Leinwand, ca. 1560
Cupid, der neuntinnerste und einer der kleinsten der 27 bekannten Monde des Planeten Uranus, benannt nach Cupido, einer Gestalt aus Shakespeares Tragödie 'Timon von Athen'. Cupid oder Cupidus andere Bezeichnung für den Liebesgott Amor aus der Römischen Mythologie (entspricht dem griechischen Eros).