August



(in Vollbild am schönsten - F11)







1. Anatoli Swerew

Komposition
Acryl auf Karton, 1987



Bei den meisten russischen Malern stellt sich aus europäischer Perspektive die ketzerische Frage, was sie nun wirklich Neues gebracht haben. Anatoly Swerew bringt Neues und Einzigartiges. Er gießt zwei Eimer Farbe über eine spontan ausgebreitete Leinwand, springt mitten in die blau-grüne Pfütze, um verzweifelt mit seinem Schrubber darin zu arbeiten. Nach zehn Sekunden lichtete sich zu Füssen der begeisterten Zuschauer ein grosses Frauenportrait, "virtuos gestaltet, raffiniert und mit einem feinfühligen Verständnis". Die Jury der Weltfestspiele unter dem Vorsitz des etablierten mexikanischen Künstlers und Stalinisten David Alfaro Siqueiros verleiht Swerew für seine Arbeiten den ersten Preis. Arbeiten, die notabene in krassem Widerspruch zu dem von Swerew abgelehnten sowjetischen Realismus standen. Drei Jahre später veröffentlichte das amerikanische Life-Magazin ein Selbstbildnis Swerews, dessen Vergleich mit einem konservativen russischen Werk auf derselben Doppelseite dazu beitrug, das kulturelle Tauwetter in der Sowjetunion unter Nikita Chruschtschow wieder abzukühlen.
Die Werke des Autodidakten Swerew, unter dem sowjetrussischen System nicht anerkannt oder öffentlich gezeigt, sind die russische Antwort auf informelle Tendenzen in der westeuropäischen oder amerikanischen Kunst. Seine geistige Nähe zum französischen Tachisme oder den Werken Jackson Pollocks zeigt sich in späten Werken deutlich.

Sein meist gegenständlicher, im weiteren Sinne expressionistischer Stil gilt auch im globalen Kunstkontext als einzigartig mit hohem Wiedererkennungswert. Er selbst bezeichnete ihn als "touchism", allenfalls noch vergleichbar mit Jackson Pollock, den Swerew jedoch nicht kannte. Nebst dem "dripping"-Effekt - Pollock liess die Farbe aus einem Loch in der Farbdose auf die Leinwand tropfen, Swerew direkt aus der Tube - verbindet beide das Bestreben, während des schöpferischen Prozesses "selbst im Bild zu sein".

Gleichzeitig zeichnet Swerew eine aussergewöhnliche stilistische Vielfalt aus, die sich über unterschiedliche Farb-Materialien und Medien erstreckt, gemäss Zeitzeugen oft spontan aus dem Moment heraus entwickelt und gleich wieder aufgegeben. Zwar nennt Swerew Leonardo da Vinci und van Gogh als seine wichtigsten Vorbilder und begegnet in der Wohnung seines Mentors George Costakis Werken verschiedener russischer Avantgardisten. Trotzdem ist nicht nachvollziehbar, wie er sich im stark normierten sowjetischen Kunstumfeld autodidaktisch Maltechniken vom Kubismus bis zu Pop Art auf hohem Niveau aneignen konnte.
Nicht zuletzt gründet Swerews Einzigartigkeit auf seinen russischen Wurzeln. Es geht hier nicht um eine vermeintliche, von Westeuropäern oft beschworene mystische (und natürlich "unverständliche") russische Seele. Die Russen pflegen ihre kulturelle Identität und ihre weltweit bekannten künstlerischen Koryphäen genauso wie etwa die Deutschen, Franzosen oder Italiener. Hingegen unterscheidet sich Russland durch seine geographische, kulturelle und ästhetische Schnittstelle mit dem Orient. Swerews Werke verkörpern diese "USP" (unique selling proposition) exemplarisch:
Einerseits zeigen sie die Stileigenschaften und technische Qualität europäischer Vorgänger wie van Gogh, Mattisse oder die deutschen Expressionisten.

Andererseits finden sich bei Swerew eine Leichtigkeit und ein kontinuierlicher Fluss in der Ausführung, die wir vor allem von asiatischen Künstlern kennen. Alles scheint immer in Bewegung, nichts statisch oder mühselig "gemacht". Tatsächlich erinnern Swerews Aquarelle und Zeichnungen an Xu Beihongs oder Zhang Daqians Tuschmalereien von Tieren oder Landschaften.
Zeitgenossen berichten, dass Swerew viel und überall gemalt hat: im Zoo, in der Metro, im Kino, mit den im Moment zur Verfügung stehenden Mitteln und Medien wie Salz, Mehl, Zigarettenkippen, unter Einsatz von Mal- oder Rasierpinsel, Zahnbürste, Obstmesser oder blossen Fingern.
Portraits, daneben Tier-, Blumen- und Landschaftsbilder sowie "archetypische" Motive wie Don Quijote.

Swerews Technik und Arbeitsprozesse sind auf ganzheitliches Erfassen des Objekts und letztlich auf Effizienz ausgerichtet. Er benützt seinen breiten Pinsel wie eine Palette, indem er erst alle benötigten Farben an unterschiedlichen Stellen des Pinsels aufträgt. Danach verteilt er die Farben an den "strategischen" Punkten der Malfläche, bevor er damit gestalterisch arbeitet und erst im letzten Moment für den Zuschauer eine erkennbare Gegenständlichkeit schafft.

In stetem Fluss befindet sich auch Swerews Leben. Ungepflegt und schlecht angezogen, auf der Strasse oder opportunistisch bei Freunden lebend, dauerbetrunken und oft im Suff von vermeintlichen Freunden geschlagen und ausgeraubt, im sowjetischen Staat ab und an psychiatrisch versorgt, könnte er eine Art russischen Charles Bukowski verkörpern. Doch statt adoleszenter Bukowski-Plattitüden finden wir bei Swerew tiefsinnige, erschütternde Kunst in Bild und Wort - er schreibt auch Gedichte. Statt oberflächlicher Triebbefriedigung unterhält er eine langjährige platonische Beziehung mit einer hoch kultivierten 30 Jahre älteren Mentorin. Er schreibt eine Abhandlung über das Dame-Spiel, das er meisterhaft beherrscht. Freiheit stellte Swerews höchstes Gut dar, in der Anarchie sieht er die Mutter aller Ordnung. Dieses Credo setzt er konsequent in Kunst und Leben um.
Maler Robert Falk: " ... ich schätze Swerew als Künstler, aber nach meinem heutigen Gespräch bin ich der Meinung, dass sein philosophischer Intellekt noch grösser ist, als seine unbestrittene Meisterschaft als Maler."



Swerew bleibt trotz aller Anläufe und wiederholten Ankündigungen seines unmittelbar bevorstehenden Durchbruchs ein Insidern vorbehaltener Künstler. 2019 sind in Moskau ausserhalb des AZ Museums und einer vom AZ Museum co-kuratierten Performance im "Westwing" der Neuen Tretjakov Galerie keine Bilder von Swerew zu finden. Der Innovator Swerew packt, geht tief, erschüttert und hat schon immer Künstler aller Disziplinen und Länder inspiriert. (nach KUNSTSIGNAL.de)







2. Seif Wanly

Ohne Titel


Seif Wanly, ein produktiver Künstler, der mehr als 1.000 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Skizzen schafft. Seine frühen Arbeiten sind von der École de Barbizon beeinflusst. Später verwendet er größere Oberflächen in kräftigen Farben und übt größere Freiheit in seinen Kompositionen aus, was ihn dem Fauvismus näher bringt. Wanly ist fasziniert von den Performancekünsten, er zeigt Szenen aus Zirkus, Ballett, Oper, Musikkonzerten, Stierkampf, allen Sportarten samt Pferderennen.

Er stellt das Leben der Darsteller auf der Bühne und hinter der Bühne dar, indem er ihre lebendigen und dynamischen Bewegungen zum Ausdruck bringt.

Er malt auch zahlreiche Ansichten traditioneller nubischer Dörfer, bevor sie überflutet wurden, sowie viele Landschaften Ägyptens und aller Länder, die er besuchte, einschließlich Spanien, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Polen und Russland. Er malt eine Reihe von Selbstporträts, die seinen Sinn für Humor und Spott widerspiegeln.



Nach dem Tod seines Bruders Adham, der ihn zutiefst beeinflusst, führte er eine dunklere Palette von Farben und Schattierungen in seine Gemälde ein.







3. Joseph Rodefer DeCamp



Die Hängematte
1895

Die Künstler gehört zu den bekannteren Namen des amerikanischen Impressionismus und des diesem verwandten Tonalismus, eine Stilrichtung entstanden in Amerika, als die dortigen Künstler Landschaften in einem übergreifenden Ton farbiger Atmosphäre oder Dunst malen. Dunkle, neutrale Farbschattierungen, wie grau, braun oder blau dominieren gewöhnlich. Von DeCamp sind vor allem seine späteren Porträts erhalten, seine vielen vielen frühen Landschaftsgemälde verbrannt. Für seine feinfühligen Porträts nutzt er nicht selten Familienmitglieder als Modelle. In den 1890er Jahren beginnt er, sich stilistisch von der impressionistischen Tüpfelmalerei zu verabschieden und stärker am gerade aufblühenden Tonalismus zu orientieren. 1897/98 gehört er zu den Gründungsmitgliedern der vorrangig impressionistisch geprägten Gruppe der Ten American Painters.
Bis zu seinem Tod bleibt er ein vielbeachteter Künstler und Kunstlehrer.







4. Sergei Arsenjewitsch Winogradow

Frühling
1901

Winogradow malt Genremalereien, Porträts und Landschaften. Ende der 1890er widmet er sich vorrangig Sujets christlicher Themen. Seine Werke der 1910er zeigen Elemente des Impressionismus.







5. Edwin Lord Weeks



Great Mogul And His Court Returning From The Great Mosque At Delhi India
Öl auf Leinwand, 1886

Der wohl bekannteste amerikanische Orientalist reist 1874 nach Paris und studiert bei Léon Bonnat, der seinem Schüler das Bedürfnis nach absolutem Realismus und Liebe zur Farbe einflößt. Weeks experimenteller Einsatz der brillanten Farben und der Wagemut seiner Pinselführung ist dem Lehrer Bonnats, dem spanischen Maler Mariano Fortuny y Marsal, zu verdanken. Er ist stolz auf seine Farben und nennt sich "Kolorist" statt Orientalist. Seine Arbeit sei eher nach ihrer künstlerischen Behandlung als nach ihrem Gegenstand zu definieren.







6. Cornelis Springer

Bremen Marktplatz

Springer malt im Stil der Romantik viele Städte und Dörfer, oft auch Phantasien mit erkennbaren Motiven. Seine Gemälde weisen topografische Genauigkeit auf. Detail und Licht sind ausgeprägt. Seine Werke sind nicht nur exakt, sondern auch harmonisch in der Farb- und Lichtgestaltung. Sie wurden durch viele Farbdrucke weit verbreitet wie der Marktplatz von Bremen. In den Niederlanden sind die Bilder von Amsterdam, Haarlem, Zwolle, Kampen, Enkhuizen, Monnickendam und Harderwijk sehr bekannt.







7. Edgar Alwin Payne

Canyon de Chelly

Das Gebiet von Taos, New Mexico bis zum Grand Canyon, sind 20 Jahre seine wichtigsten Inspirationen.







8. John Constable



The White Horse
Öl auf Leinwand, 1819

Constables Werk lebt aus der Spannung zwischen genauer Naturbeobachtung (z. B. Himmels- und Wolkenstudien) und der Vernachlässigung der Linie zugunsten der Farbwirkung. 'The White Horse' markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Karriere des Künstlers. Es ist das erste einer Reihe von sechs sogenannten "Six-Footers", die Szenen auf dem Fluss Stour zeigen, einschließlich seines berühmten Werks 'The Hay Wain'. Motiv des Gemäldes ist ein Schlepppferd, das in Flatford, direkt unterhalb der Schleuse, an einer Stelle, an der der Schlepppfad die Ufer wechselt, über den Fluss gefahren wird. Der Bischof von Salisbury Fisher kauft es für100 Guineen , es ist eines von Constables Lieblingsgemälden:
"Es gibt im Allgemeinen im Leben eines Künstlers vielleicht ein, zwei oder drei Bilder, an denen mehr als das übliche Interesse hängt - das ist meins." 1830 - Fisher ist hoch verschuldet - kauft Constable das Gemälde zurück, ebenfalls für 100 Guineen und behält es den Rest seines Lebens.



'The Hay Wain' - Der Heukarren - von 1821 zeigt eine ländliche Szene am River Stour in Suffolk. Heute hängt es in der National Gallery in London und gilt als eines der beliebtesten Gemälde der britischen Öffentlichkeit.
In der Bildmitte zeigt es ein Paar Zugpferde, die einen Heuwagen durch den Fluss ziehen. Auf der linken Bildseite erkennen wir eine Hütte (auch in 'Willy Lott's Cottage' dargestellt). Die Stelle liegt in der Nähe von Flatford Mill, das linke Ufer liegt in Suffolk, das rechte in Essex.

Die Hütte links gehörte dem Nachbarn von Constables Vater, Willy Lott, einem Pächter, von dem man erzählt, er sei in dem Haus geboren und habe es während seiner gesamten Lebenszeit nie länger als vier Tage verlassen. Das Haus besteht in fast unveränderter Form bis heute.







9. Richard Parkes Bonington



Blick auf die Lagune bei Venedig
1827

Trotz seiner Schaffenszeit von nur knapp 10 Jahren legt der Künstler mit seiner Maltechnik des Aquarellierens neue Maßstäbe an, die ihn in Frankreich 1824 zum Preisträger beim Salon werden lässt. Mit seiner Technik und Art der Darstellungsweise und dem Kontakt zu wesentlichen Köpfen der École wird er Mitwegbereiter für die spätere Schule von Barbizon.
In einem Brief an Théophile Thoré zieht Delacroix 1861 seinen Hut vor dem Frühverstorbenen, der gleichwohl über 400 Gemälde und Zeichnungen hinterlässt. Im Aquarellieren, für Briten damals eine noch neue Kunst, habe Bonington erstaunliche Fähigkeiten besessen. Bei aller meisterhaften Strenge und Präzision zeige er in der Pinselführung eine zumindest in der Gegenwartskunst einzigartige Leichtigkeit, die seine Werke zu einer Art von Diamanten mache, die jedes Auge entzücke und jedem Auge schmeichele.
Boningtons historische Gemälde zeichnen sich durch das sorgfältige Studium zeitgenössischer Vorlagen aus.
Allerdings gibt es heute auch Stimmen, die trotz ihrer Sympathie für Bonington vor einer buchstäblich romantischen Verklärung, also Überschätzung warnen.







10. Jean-Baptiste Camille Corot

Brücke von Narni - Augustusbrücke über die Nera
Öl auf Leinwand, 1826

Die Ponte d’Augusto ist eine römische Bogenbrücke in der italienischen Stadt Narni, Region Umbrien, die dort den Fluss Nera überspannt. Von den einst vier Bögen der etwa 160 m langen Brücke ist heute noch der südlichste Bogen erhalten.
Der rund 30 Meter hoch aufragende Bau ist eine der größten von den Römern erbauten Brücken. Alle Romreisenden haben über Jahrhunderte die unter Augustus um 27 v. Chr. aus Travertinblöcken erbaute Brücke passoert, sie war Teil und Engpass der Via Flaminia. Feldweiten der wahrscheinlich insgesamt vier Bögen: 19,20 m, 32,10 m, 18,00 m und 16,00 m, wobei der erste, südliche Bogen erhalten ist.
Corot ist einer der Hauptvertreter der Schule von Barbizon. Seine frühesten Werke sind kleinformatige Landschaftsbilder (um 1822). Seine wohl bedeutendsten Schüler sind Berthe Morisot und Camille Pissarro.
In Italien findet Corot zu seiner Landschaftsmalerei mit freier, aber straffer Komposition und gedämpfter Farbigkeit, die er nach 1850 zu einer reinen Stimmungsmalerei weiterentwickelt.Zur Schule von Barbizon gehören u. a. auch Théodore Rousseau, Charles-François Daubigny und Jean-François Millet an. In seinen späten Jahren ist er als "Père Corot" die Vaterfigur der Pariser Kunstszene, er gilt als der führende Landschaftsmaler Frankreichs. Zu seinen Zeitgenossen zählen William Turner und John Constable. Neben der Landschaftsmalerei, die oft verblüffende Ähnlichkeiten mit der später aufkommenden Fotografie gemein hat, schafft Corot auch Frauenbildnisse. center>

Corot beeinflusst die Entwicklung des Impressionismus entscheidend. Etliche bekannte Maler berufen sich auf ihn oder bezeichnen sich als seine Schüler, etwa Eugène Boudin, Stanislas Lépine, Antoine Chintreuil, François-Louis Français, Berthe Morisot, Charles Le Roux und Barthélemy Menn.
Camille Corot gehört zu den weltweit am meisten gefälschten Künstlern. Dies liegt zum einen an seiner Großzügigkeit: Er verschenkt und vererbt viele seiner Bilder, ohne Aufzeichnungen darüber anzufertigen. Einige Bilder überlässt er auch befreundeten Künstlern, denen er erlaubt, Kopien davon anzufertigen. In seinen späten Jahren, zu Ruhm gekommen, versammeln sich arme Künstlerfreunde um ihn, denen er zu Hilfe kommt, indem er in seinem Atelier Variationen ein und desselben Motivs anfertigen lässt. Auch mit seinen Signaturen nimmt er es nicht immer genau. So lässt er eigene Werke unsigniert, überarbeitet Werke von Kollegen und zeichnet sie auf deren Bitten hin mit seiner Signatur. Fernand Léger hat gestanden, um Geld zu verdienen, „fünfundzwanzig falsche Corots“ gemalt zu haben. Corot soll einmal gespottet haben: „Von 1.500 Bildern, die ich gemalt habe, befinden sich 3.000 in Amerika.“
Corots enorme Produktivität und die Vielfalt seines Stils tragen dazu bei, dass Fälschungen mitunter schwer zu erkennen sind.







11. Winslow Homer



The Life Line
Öl auf Leinwand, 1884
Im Sommer 1883 hält sich Homer in Atlantic City (New Jersey) auf, wo er Seenotretter beobachtet. In „The Life Line“ überrascht seine neue, kräftige Art des Malens. Das Gemälde kauft Catherine Lorillard Wolfe für $2.500, was nicht unbeachtet bleibt, zumal es die erste amerikanische Arbeit ist, die sie in ihre Sammlung aufnimmt. Das zweite Gemälde „Undertow“ (Sog) ist ebenfalls ein großer Erfolg, als Homer es 1887 in der National Academy zeigt.





12. Dean Cornwell



Romantic Couple Seated by Piano
1922
Auf dem Höhepunkt seiner Popularität "Dekan der Illustratoren" genannt, erscheinen Cornwells Ölgemälde (meist als literarische Illustrationen, Anzeigen und Plakate zur Förderung der Kriegsanstrengungen in der Zeit des 1. Weltkriegs) in populären Magazinen und Büchern wie Pearl S. Buck, Lloyd Douglas, Edna Ferber, Ernest Hemingway, W. Somerset Maugham und Owen Wister. Er malt aber auch viele populäre Wandbilder, etwa am New England Telephone-Hauptgebäude in Boston, oder am Center William Rappard in Genf. Sein Wandbild für die Los Angeles Public Library ist eine Darstellung der Geschichte Kaliforniens. Sein Cover eines Flussboots verarbeitet die US-Post 2001 zu einer Briefmarke.

1922 bis 1926 ist Cornwell Präsident der Society of Illustrators, 1959 in Hall of Fame gewählt.





13. Thérèse Schwartze

Porträt Königin Emma mit Prinzessin Wilhelmina


Die niederländische Porträtmalerin, Tochter des Porträt-, Landschafts- und Genremalers Johann Georg Schwartze der Düsseldorfer Schule, der auch ihr Lehrer in der Malkunst ist, studiert in München bei Gabriel Max und Franz von Lenbach und in Paris bei Jean Jacques Henner. 1881 porträtiert sie die königliche Familie der Niederlande.

Königin Wilhelmina





14. George Ames Aldrich


Blumenbrücke Quimper

Der 1872 in Massachusetts geborene angesehene Impressionist verbringt seine wichtigste künstlerische Zeit in der Normandie und Bretagne, wo er mit bekannten französischen Künstlern zusammenarbeitet.





15. Pompeo Mariani


Stürmische See
Öl auf Leinwand, 1925
Einer der bedeutendsten italienischen Maler des 19. Jahrhunderts, der in der renommierten Gruppe bürgerlicher Künstler, leidenschaftlich und elegant, um die Wende des 20. Jahrhunderts im schillernden Ambiente der Belle Epoque arbeitet, die ihre Kunst zum „Glaubensbekenntnis“ erheben. Seine Arbeit nimmt abwechselnd an Bekanntheit zu und ab, insbesondere nach seinem Tod unter mysteriösen Umständen 1927. Seine Kunst zeichnet sich durch eine subtile Sensibilität bei der Darstellung der Reflexion von Licht auf Wasser aus, die er zu verschiedenen Jahreszeiten und Tageszeiten malt, um hoch atmosphärische Effekte zu erzielen.





16. Carl Wilhelm Wilhelmson


Fischermädchen
Öl auf Leinwand, 1894
Der Sohn eines Seemanns, geboren 1866 in Fiskebäckskil bei Göteborg, ist 7 Jahre in Paris, malt dann hauptsächlich Themen aus seiner schwedischeHeimat Bohuslän.

Ernsthaft und kraftvoll in Auffassung und Behandlung, sind seine Typen mit größter Unmittelbarkeit und Schärfe in der Charakteristik ehrlich und gut studiert. Das Szenario sorgfältig ausgearbeitet, entweder schildert er eine Ausstattung oder er lässt die bunten Hütten einer Fischersiedlung im Sonnenschein den farbenfrohen Hintergrund bilden, zu dunklen, ernsthaften und stillen Figuren. In mehreren Gemälden hat er eine dekorativere Haltung erreicht, die sein früheres trübes und weniger gefühlvolles Kolorit ersetzten, wobei sein Stil an Bedeutung, Festheit und Glanz gewinnt.





17. Plinio Nomellini


Schichtarbeit

Übernimmt 1890 den Divisionismus, wird, nachdem er die Streiks der genuesischen Arbeiter 1891 ausgestellt hat, 1894 wegen Anarchismus verhaftet, aber freigesprochen und zum Mittelpunkt der Gruppo d 'Albano. Ab 1919 in Florenz, dann Atelier auf Elba, wo er sich auf Landschaftsmalerei konzentriert.





18. Max Rimböck


Gebirgslandschaft mit Burgruine
Öl auf Leinen, 1934

Max Rimböck ist nicht nur eine Hauptfigur im "Tiger Jussuf ", dem Hörspiel Günter Eichs, sondern auch ein deutscher Bildnis- und Landschaftsmaler, geboren 1890 in Passau, gestorben 1956 in München, wo er tätig war. Er erregt bereits mit 11 bis 16 in der Kunstwelt wegen seines Talentes großes Aufsehen.







19. Vera Rockline

Selbstporträt
1921 1933

Vera Nikolaïevna ist 38 Jahre jung, als sie 1934 in Paris - auf dem Höhepunkt ihres Ruhms und Erfolgs - Selbstmord begeht.
Tochter eines Russen und einer Französin, heiratet Rockline, sie verlassen 1919 Russland und wandern 1921 nach Frankreich aus.
Ein Kunstkritikerin bezeichnete die Serie ihrer künstlerischen Aktbilder als "Symphonie des Fleisches". Nach Kubismus und Impressionismus entwickelt sie einen eigenen Stil, etwas zwischen Courbet und Renoir. 1927 lässt sie sich wahrscheinlich scheiden und zieht ins Quartier de Montparnasse. Finanzielle Unabhängigkeit und Veränderung ihres Kunststils fallen zusammen. Ihre Arbeiten nähern sich dem Impressionismus, bekommen eine weichere Farbpalette mit Pinselstrichen im Renoir-Stil. Sie konzentriert auf weibliche Akte.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts fast vergessen, findet 2002 eine große Ausstellung ihrer Arbeiten statt: "Elles de Montparnasse", die ihre Werke zusammen mit denen von Tamara de Lempicka, Marie Laurencin, Hannah Orlova, Sonia Delaunay und Natalia Goncharova zeigt. 2008 erzielt das Gemälde

"Card Players" von 1919

bei Christie's in London 2 Mill. Pfund.







20. József Rippl-Rónai

Meine Großmutter
1894

Der erste große Erfolg des ungarischen Maler des Symbolismus und Spätimpressionismus, des Wegbereiter der Moderne in der ungarischen Malerei, ist "Meine Großmutter" bei einem Salon de Champ-de-Mars, was ihm Akzeptanz und Aufnahme in die Künstlergruppe Nabis bringt, er wird Nabi hongrois. Nach der symbolistischen, farbreduzierten, „schwarzen“ Periode und vier weiteren Richtungen kommt er zu einem eigenen Stil.
Er malte nicht nur, sondern entwirft auch Alltagsgegenstände. Seine und die seiner französischen Boudrion ausgeführten Stickereien gewinnen einen Preis bei der Pariser Weltausstellung, er gestaltet Glasfenster in Budapest usw.







21. John Peter Russell

Vincent van Gogh
1886

Das Porträt hängt im Museum in Amsterdam.



Während seines 7-jährigen Studiums in Frankreich besucht er eine Malschule in Paris, wo er Vincent van Gogh trifft und Freundschaft mit ihm schließt.



1888 zieht er auf die Insel Belle-Île, wo er seinen Wohnsitz, genannt „Le Chateau Anglais“, hat erbauen lassen.



Van Gogh schätzt Russells Schaffen, und nach seinem ersten Sommer in Arles im Jahr 1888 schickt er 12 Gemälde an ihn, um über den Fortschritt seiner Arbeit zu informieren. Auch Monet arbeitet oft mit Russell auf Belle-Île zusammen und beeinflusst seinen Malstil. 1897 und 1898 besucht ihn Henri Matisse auf Belle-Île, Russell führt ihn in die impressionistische Malweise ein und macht ihn mit den Werken van Goghs vertraut, der zu dieser Zeit noch ziemlich unbekannt ist.

1922: A Felice Souvenir of Macks Island, New Zealand:

„lost impressionist“: John Peter Russell - der unbekannte Große des Impressionismus.
Obwohl Australier, steht er mit der dortigen Hauptströmung, der sogenannten „Heidelberger Schule“, kaum in Verbindung. Der Schwerpunkt seines Wirkens liegt in Europa, speziell Frankreich.
Dank des väterlichen Erbteils ist er finanzieller Sorgen enthoben und geht nach London, wo er sich an der Slade School of Fine Art einschreibt. Danach studiert er mehrere Jahre in Paris. Zu seinen Mitstudenten dort gehören Henri de Toulouse-Lautrec, Émile Bernard und Vincent van Gogh; mit letzterem freundet er sich an, und 1886 soll er ihn auch porträtieren. Er zieht auf die bretonische Belle-Île, errichtet dort seinen „Le Chateau Anglais“ genannten Wohnsitz, um welchen herum sich mit der Zeit eine kleine Künstlerkolonie bildet.
Russell ist vermögend genug, um zu seinem eigenen Vergnügen zu malen, was ihn der Sorge enthebt, an Ausstellungen teilnehmen und Bilder verkaufen zu müssen, denn der Ausstellungsbetrieb von London und Paris ist ihm ein Greuel.
Von Monets oszillierender Malweise läst sich Russell beeinflussen - es heißt sogar, Monet habe einige der russellschen Darstellungen des Meeres über seine eigenen gestellt.

Pecheur sur falaise(1900)

Als Marianna 1907 stirbt, zerstört Russell in seiner Verzweiflung 400 seiner Aquarelle und Ölbilder, ein gewaltiger Verlust, den insbesondere Rodin betrauert.
In Sydney, wo er sich später - nach einer zweiten Ehe - endgültig niederlässt, malt er zahlreiche Aquarelle von Hafenszenen in der Watson Bay. Russells leichte und farbenfrohe Arbeiten müssen sich vor anderen impressionistischen Großen nicht verstecken, und Liebhabern dieser Richtung öffnen sie mit Sicherheit das Herz.


Brigham's Creek with Mount Egmont Beyond






22. Canaletto



Festung Königstein
1886





Canaletto bringt in die zahlreichen Veduten und Ansichten der Stadt Dresden einige künstlerische Freiheiten ein. Manche Gebäude malt er in vollendetem Zustand, obwohl sie in Wirklichkeit noch im Bau sind. Das berühmte Panorama des Zentrums der Stadt, das bis heute in uns allen die Vorstelllung vom alten Dresden prägt, mit den im Fluss sich widerspiegelnden Gebäuden, ist genau wiedergegeben.
Fünf Veduten der Festung Königstein im Elbsandsteingebirge kann er nur nach eigenen, 1755/1756 entstandenen, Zeichnungen in den Jahren 1757/58 vollenden. Der 7-jährige Krieg beginnt. Pirna und Königstein Hauptkampfgebiete, die Preußen besetzen Sachsen. Der König im Exil. Vermutlich fürchtet Canaletto um die Bezahlung seiner Arbeiten, er verkauft sie kurz nach ihrer Entstehung an Kunsthändler, die sie an englische Adelsfamilien veräußern. Der Künstler muss auf Wanderschaft gehen und landet schließlich in Warschau.
In Wien erhält Canaletto 1760 Nachricht von der Zerstörung seines Hauses und der Vernichtung eines Teils seiner Kunstwerke durch preußisches Bombardement, Schaden durch Vernichtung der Kunstwerke und Druckplatten 50.000 Taler.



Der Geschmack des neuen polnischen Königs, Stanislaw II. August noch barock geprägt, er verehrt die venezianische Malerei, ist hochgebildet und spricht mehrere Sprachen, darunter italienisch. An seinem Hofe hat er eine ganze Kolonie italienischer Künstler versammelt, was dem sprachlich völlig unbegabten Italiener entgegenkommt. Canaletto wird am Warschauer Hof zwar nicht, arbeitet aber mit anderen Künstlern im sogenannten „Kunstdepartement“ zusammen.
Die Hauptaufgaben am Hofe sind Modernisierung des königlichen Schlosses in Warschau.
Auf den Warschauer Veduten widmet Bellotto der Staffage viel mehr Aufmerksamkeit als in Dresden. Man schätzt, dass circa 3.000 Personen auf den Warschauer Bildern dargestellt sind, davon etwa die Hälfte nach Stand und Beruf eindeutig identifizierbar.
Bei Anfertigung einer Vedute geht Canaletto stets ähnlich vor. Zunächst kleine und mittlere Zeichnungen mit Hilfe einer camera obscura, dann in einer großen, endgültigen Zeichnung verarbeitet. Diese mit Lineal sehr genau angefertigte Zeichnung wird quadriert, d. h. mit einem Liniengitter versehen, und mit Hilfe dieser Quadrate dann vergrößert auf die Leinwand übertragen. Ergänzend fertigt er auch Skizzen architektonischer Details und freie Skizzen der Staffagefiguren im Maßstab des Gemäldes an.

Pirna

Die vorgeleimte Leinwand zunächst rot mit bolo veneziano, dann noch zweimal grundiert. Auf die fertige Grundierung zeichnet er nun ein Gitternetz entsprechend der Quadrierung auf der Zeichnung, in das er die entsprechenden Quadrate der Zeichnung mit dunkelbraunem Pinselstrich überträgt. Manche Kompositionslinien und architektonische Details zieht er mit dem Lineal nach, sie sind oft noch mit bloßem Auge erkennbar.
Die Schattenpartien sind mit lasierender Farbe aufgetragen, die die Grundierung durchscheinen lässt. Die gröberen Partien führt er in Ölfarbe aus. Für feine Linien verwendet er Tempera. Manche Linien betont er durch Einritzung in die frische Farbe. Zuletzt trägt er die Staffagefiguren auf.
Nach dem 2. Weltkrieg reokonstruieren die Warschauer große Teile ihrer Stadt mit Hilfe Canalettos Ansichten der Warschauer Altstadt.






23. Hans Arp



Konstellation nach den Gesetzen des Zufalls

Aluminiumskulptur, ca. 1930

Arps Werke bewegen sich in einer eigenartigen Welt zwischen Dadaismus, Surrealismus und Abstraktion. In seinen plastischen Gebilden bemüht es sich, das von innen heraus urhaft Keimende organischer Formen darzustellen. Sichtbarmachung eines Unsichtbaren, die Suche nach einer optischen Sprache, welche die geistigen Sphären, jenseits der Welt der Erscheinungen zu erfassen vermag. Arps Biomorphismus findet in vegetativen Formen den emblematischen Kodex für das Geistige in der Kunst. So produziert Arp immer neue Konstellationen, wobei er die Erkenntnis für seine bewegten Ovale nicht nur aus der Naturbeobachtung, sondern auch aus philosophischen Texten von Lao Tse oder Jakob Boehme bezieht. Aus der Bipolarisierung von Mann und Frau – Adam und Eva – entwächst wie bei Constantin Brancusi die Auseinandersetzung mit dem Ei als dem Zeugungssymbol schlechthin. Intention ist, den Menschen wieder an seinen angestammten Platz innerhalb der Schöpfung zu stellen.






24. Alberto Giacometti

Caroline
Öl auf Leinwand 1961



Giacomettis malerisches Œuvre ist anfangs ein kleinerer Teil seines Werks. Nach 1957 tritt die figurative Malerei gleichberechtigt neben die Skulptur. Seine fast monochrome Malerei der Spätzeit lässt sich keiner Stilform der Moderne zuordnen.
Die Bekanntschaft mit der 21-jährigen Prostituierten Caroline, die Giacometti 1959 in der Bar Chez Adrien macht, führt zu einer Affäre, die bis zu seinem Tod andauert. Die Verbindung mit der jungen Frau aus dem Rotlichtmilieu Belastung für Annette, seine Frau, und Diego. Caroline in dieser Zeit wichtiges Modell, und Giacometti malt sie oft. Der Künstler ist inzwischen weltberühmt und erhält von seinen Händlern grosse Summen. Er ändert seine Lebensgewohnheiten nicht, lebt weiterhin bescheiden, aber ungesund – er isst wenig, trinkt viel Kaffee und raucht Zigaretten. Das erworbene Vermögen verteilt er an seinen Bruder Diego, an seine Mutter und an seine nächtlichen Bekanntschaften. 1960 kauft er für Annette und Caroline Wohnungen, wobei die Wohnung für sein Modell die luxuriösere ist.






25. Rudolf Hellgrewe



Ansicht Kilimandscharo zur Deutschen Kolonialzeit

In 1885/1886 reist Hellgrewe, der wohl bekannteste Kolonialmaler nach Ostafrika, wo u. a. das Bild des Kilimandscharo entsteht.
Seine sonstigen Motive findet er vor allem in der märkischen Landschaft, deren Schönheit er als erster entdeckt. Schnell wird er zum „Maler märkischer Seen und Sonnenuntergänge“ und erreicht große Popularität. Dieser Erfolg verleitet ihn – schon um der steten Nachfrage gerecht zu werden – in späteren Jahren immer wieder zu fast identischen Wiederholungen seiner Motive.


Märkische Landschaft am Waldsee, 1860






26. Rudolph Brèsdin

La Comédie de la Mort
1854

Seine erstes erfolgreiches Werk: Eine Phntasielandschaft mit Bäumen, Niederungen und Dickichten, Dämonen und Phantomen, Vögelschwärmen, Rattenköpfen, der Boden übersät mit menschlichen Knochen und Wirbeln, Rippen und Schädeln, knorrige Weiden, Skelette, ihre Arme hochwerfend und eine Siegeshymne singend, während Christus zum Himmel fliegt, der mit kleinen Wolken übersät ist. Ein nachdenklicher Einsiedler, den Kopf zwischen seinen Händen. In den Nischen einer Grotte stirbt ein Bettler erschöpft von Entbehrungen und Hunger, auf dem Rücken liegend, die Füße in Richtung des Teichs ausgestreckt.
Brésdin hat eine besondere Beziehung zum Makabren und zur Melancholie. Komödie des Todes: Oxymoron. Ist vielleicht die Beziehung zu Rose Cécile Maleterre gemeint, mit der Brèsdin "in Sünde" bis zu ihrer Heirat 1865 lebt, als sie bereits vier Kinder haben?

Baigneuses dans la montagne, 1865






27. Émile Bernard

Die blaue Kaffeekanne
Öl auf Leinwand, 1888

Er war der Freund Gauguins und van Goghs:
Um 1880 sucht er gemeinsam mit Paul Gauguin nach einer unerhört neuen Bildsprache.
Doch Bernard fliegt nur für eine kurze Weile auf dem Fortschrittspfeil dieser Moderne mit. Seine Bilder von sauber sortierten Bretoninnen oder von Stillleben mit Orangen und Kaffeekanne illustrieren, wie Gauguin, Bernard und andere im idyllischen Künstlerort Pont-Aven die Kunst nach dem Impressionismus neu aufstellen. Auf ihren Bildern fügen sie in klar konturierten Farbflächen zusammen, was unter den Händen von Claude Monet und anderen Impressionisten zum Farbgestöber verflog - eine Wirklichkeit, die es nur noch als flüchtigen Sinneneindruck zu geben schien.






28. Marc Chagall



Der Tote
Öl auf Leinwand, 1908

Chagall besteht die Aufnahmeprüfung für die Kunstakademie Sankt Petersburg nicht. Er lässt sich an der Schule der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste ausbilden und malt das berühmte schwarz-weiße Bild "Der Tote".
Eine erste eigene Form entwickelt er mit "Meiner Braut gewidmet (1911)", dessen sexuelles Bildmotiv - man erachtet es als pornografisch (?) - dazu führt, dass der Künstler es erst 1912 auf dem Pariser Frühjahrssalon ausstellen kann.



In Polen wird Chagall zum ersten Mal die vom Dritten Reich ausgehende Bedrohung für die jüdische Welt spürbar. Er ist tief erschüttert, als er Augenzeuge wird, wie ein Pole seinen Freund Dubnow auf offener Straße als „Drecksjude“ beschimpft. 1938 erneuert er seine Beschäftigung mit dem Thema der Kreuzigung, die ihm als höchstes Symbol für Leiden galt.

"Die weiße Kreuzigung" drückt sein Entsetzen über die Judenverfolgung und den in Frankreich entflammten Antisemitismus aus.






29. Heinrich Vogeler

Am Heiderand
Öl auf Leinwand, 1900


Das Dritte Reich, 1934













Klaus Modick: Konzert ohne Dichter




30. Ernst Barlach

Aus einem neuzeitlichen Totentanz

Die Lithografie erscheint 1916 in der pazifistischen Zeitschrift "Der Bildermann". Verleger und Galerist Paul Cassirer macht zum Kriegsausbruch selbst Erfahrungen im Kriegsdienst und Lazarett, die zu seiner kriegsfeindlichen Gesinnung beitrugen.
Barlach lässt die Gestalt des Todes als dämonischen Riesen erscheinen, der mit erhobenen Armen einen Schmiedehammer über die sterblichen Überreste der Menschen rasen lässt und auch noch die letzten Knochen zertrümmert. Zeichen der abgelaufenen Lebenszeit: Sense und Sanduhr nebeneinander auf dem Boden. Die Krähen als Unheilsbotschafter begleiten den Tod bei seiner Tat und verdüstern die Szenerie noch einmal. Wie Georg Heyms Gedicht "Der Krieg" stellt Barlach den Krieg als große unbekannte Gestalt dar, die ihren Schrecken während der Dämmerung verbreitet.

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
Fegt er in die Feuerwälder, daß die Flamme brenne mehr.

Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.

Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht

Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.

Barlach greift in der Grafik das Traditionsmotiv des Totentanzes auf. Als Kunstform, die Bild und Text miteinander verbindet, erlangt die Totentenzthematik bereits im ausgehenden Mittelalter große Bekanntheit und mit den beiden Weltkriegen erlebt das Motiv eine Renaissance. Klassisch sind mehrere menschliche Gestalten aus der damaligen Ständeordnung zu sehen, die von tanzenden oder springenden Skeletten als Personifikation des Todes umringt sind. Über die Jahrhunderte verändern sich Komposition und Auslegung des Themas, aber die warnende Grundaussage bleibt: Der Tod macht keinen Unterschied zwischen Alter, Geschlecht und Stand.


Selbstbildnis



Ernst Balrach: Der Schauplatz seiner Dramen




30. Stanisław Szukalski

The Incorruptable, 1971






31. Austin Osman Spare



The Ascension of the Ego from Ecstasy to Ecstasy

Der Magier, Okkultist und Maler Spare hat einen reichen Fundus an interessanten Werken hinterlassen. Seine Ansätze sind scharf und anspruchsvoll, ungewöhnlich realistisch und bodenständig, und die Art, in der er seine Gedankenwelt zeichnerisch festhält, sucht seinesgleichen.
Es ist wohl so gut wie gar nicht möglich, Spare auf ein Schaffensgebiet zu reduzieren, ohne dabei seine anderen Arbeiten automatisch abzuwerten. Nicht nur wären seine verschiedenen Aktivitäten jeweils einer eigenen Vorstellung wert, sie fließen auch so frei ineinander über, dass man bei jeglicher Berichterstattung nicht umhin kommt, sie als Gesamtkunstwerk zu betrachten.